Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

Seite: 130
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und von einer Lehrkanzel'). Moderne Dichter geben ihre Kindheitserlebnisse
wieder, die sie beim Krippenbau und in der Weihnachtszeit hatten^). Der
Freund christlicher Volkskultur wird alles tun, um die altehrwürdigen, vielsach
bedrohten Weihnachtsbräuche, besonders soweit sie die Weihnachtskrippe umfassen,
zu erholten oder neu zu beleben. Er weckt und fördert damit nicht nur Heimat--
und Volkskunst, sondern auch Glaubensstärke und Gemiitswärme. Wie er in
seiner Arbeit die Schaubühne, das Bild (gemalt und geschnitzt), das Buch, die
Musik und hundert andere Dinge erfinderisch in seinen Dienst stellt, so wird
er auf die Weihnachtskrippe nicht verzichten können, die wie eine Zusammen-
fassung alles dessen ist und als kleines Welttheater erhebt und erzieht.

Die Krippenbewegung ist im Fluß. Wird sie richtig geleitet, so ist sie auf
jeden Fall eine willkommene Hilfe in der Volkserziehung. Vereine sind für
gewisse Zwecke notwendig oder doch nützlich. Da wir keine rechte Ueberlieferung
für den Krippenbau haben, ist es ratsam, daß die Freunde der Weihnachtskrippe
sich zusammenschließen, um sich gegenseitig zu fördern. Solche Krippenvereine
bestehen im krippenreichen Tirol und in Bayern, neuerdings auch im Rheinlands.
Die Krippenfreunde werden durch Krippenschau und belehrende Vorträge für
eine sachgemäße Pflege des Krippengedankens Sorge tragen. Die Verweltlichung
der Weihnachtsfeier werden sie in Familie und Verein durch stilvolle, würdige
Krippenfeiern hintanzuhalten suchen. Sie werden aber auch der kirchlichen
Krippenfeier ihre ganze Liebe schenken und in Krippenandachtenh die Leute
für diese edle Sache gewinnen. Kirchliche Krippenfeiern, in der Weihnachtszeit
öfters am Abend ungezwungen wiederholt, wecken erfahrungsgemäß bei jung
und alt große Begeisterung. In einer Diasporastadt konnte man sehen, wie nach
der Feier Väter und Mütter mit ihren Kleinen auf den Armen lange Zeit ums
Kripplein standen und glückselig in den Glanz des zweiten Paradieses staunten.

Der Wunsch eines jeden Krippenfreundes ist es, selbst in den Besitz einer
guten Weihnachtskrippe zu kommen. Es gibt in der Hauptsache dreierlei
Arten von Krippen: 1. gekleidete Krippen, 2. holzgeschnitzte Krippen und
3. Papierkrippen. Zu erwähnen wären noch die Wachskrippen und die Terrakotta-
krippen.

1. Die ursprünglichen Krippen in Tirol sind gekleidete Krippen')
gewesen. An den Figuren sind bloß der Kopf, die Hände und die Füße geschnitzt.
Das andere ist Draht. Die Kleider können die Leute selber machen, können

I Glöckleins-Kalender 1924. Ein Jahrbuch für Krippenfreunde. Innsbruck.

4) Hans Caroffa, Eine Kindheit. 1926. Inselverlag. Seite 110 ff. Friedrich Schnack, Die
Orgel des Himmels. Hellerau. 1927. Seite 16/17. Dergl. auch, was A. Breucha über die alte
Herrenkramersche Krippe zu Rottweil a. N. schrieb: Deutsches Volksblatt, 24. Dez. 1924,
„Vom deutschen Kripplein".

5) Der Verein Tiroler Krippenfreunde hat seinen Sitz in Innsbruck, Mariahilfstraße 20
und gibt die kleine Zeitschrift heraus: „Der Krippenfreund". Auch der Verein bayerischer
Krippenfreunde (Sitz der Schriftleitung: Religionslehrer Tib. Burger, Regensburg, Bischof-
Wittmannstraße 24) gibt eine eigene Zeitschrift heraus: „Der Deutsche Krippenfreund". Die
Landesgemeinschaft der Krippenfreunde im Rheinland und Westfalen veröffentlichte bisher
drei Jahvbücher.

") Gute Dienste tut: „An der Krippe Jesu". Eine volksliturgische Krippen- und
Weihnachtsandacht. Linz. Akademische Preßvereinsdruckerei. 1926.

7) Vgl. Ferdinand Plattner, die gekleidete Krippe. Verlag A. Weger in Brixen. 1926. —
Vgl. auch die größere Schrift desselben Brixener Benefiziaten, Gründers einer Krippen--
fchnitzfchule und Schöpfers der hochinteressanten Krippensammlung im neuen Diözesan-
museum in Brixen: Krippenbau. Bressanone 1928 und ihre Besprechung in A. f. christl. K.
1929 S. 69. D. Red.

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