Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

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Hansjakob, H., Der Vogt auf Mühlstein.

Eine Erzählung aus dem Schwarz-
wald. Sonderausgabe mit acht Kunst-
drucken nach Originalzeichnungen von
Wilhelm Hasemann. 1t. und 12.
Ausl. gr. 8" 110 S. Freiburg 1928,
Herder. Lw. Mk. 4.60.

Hätte der bis in seine alten Tage
fruchtbare Schwarzwälder Volksschrift-
steller im Priestergewand kein anderes
Buch geschrieben, der „Vogt auf Mühl-
stein" allein würde ihm für alle Zeiten
den Ruhm eines echten Volksdichters ein-
getragen haben. Die Tragik des Geschicks,
der Konflikt zwischen Geliebtentreue und
Vaterliebe, der Zauber der Heimatland-
schast, die in dieser rührenden, lebens-
wahren Schwarzwaldgeschichte weht, stem-
peln die zuerst in den „Schneeballen"
anfangs der Neunzigerjahre veröffent-
lichte Erzählung zu einem Meisterwerk,
das nicht veralten, sondern ewig jung
bleiben wird wie der Trompeter von
Säckingen. Der norddeutsche, im badi-
schen Schwarzwald heimisch gewordene
Maler Hasemann, der dem Verfasser auf
allen Wegen der Gestalten Hnnsjakob-
scher Muse treu gefolgt ist — um Wit-
tichen herum diirfte ihn auf seiner ersten
Schwarzwaldwanderung der Tübinger
Student — nach mehr als 30 Jahren un-
vergessen — zu den Originalen seiner
Illustrationen begleiten — hat in den 8
prächtigen Kunstdrucken (nach früheren
Originalzeichnungen des Malers) der
dichterischen Auffassung sich treu ange-
schlossen und der heute noch jeden ergrei-
fenden Stimmung trefflichen bildlichen
"Ausdruck verliehen. Als köstlichstes Fest-
geschenk wärmstens empfohlen, möge
seiner Mission das Buch treu bleiben,
an dessen Schluß es heißt: „Ihre Gräber
sind verschwunden wie die Kreuze dar-
über. Mögen sie, die Toten, es mir ver-
zeihen, daß ich sie aufgeweckt, den Leben-
den zum Gedächtnis".

Dobschütz, E. V., Der Apostel Paulus. II.
Seine Stellung in der Kunst. Gr.

8°. 88 S., 36 Abbildungen. 1928

Halle, Buchhandlung des Waisen-
hauses. Kart. Mk. 8.—.

Der Hallenser Theologieprofessor Dr.

Erlöst v. Dobschütz widmet 30 Jahre nach
seiner als Privatdozent in Jena 1899
herausgegebenen Arbeit über Christus -
bilder, einer Musterleistung exakter
patristischer und ikonographischer Forsch-
ung, eine ähnlich tiefschürfende Unter-
suchung dem größten Geistesherold
Christi. "Nachdem der gründliche Kenner
der neutestamentlichen und altchristlichen
Literatur vor zwei Jahren den ersten
Teil seiner Paulusbiographie veröffent-
licht hat mit streng wissenschaftlich beleg-
ten Ausführungen über Leben, Persön-
lichkeit und weltgeschichtliche Bedeutung
des „Völkerapostels", behandelt er in
einem zweiten Teil mit gleich staunens-
werter Beherrschung des weitschichtigen
Quellen- und Literaturstoffs Pauli Stel-
lung in der Kunst. Das Paulusbild wird
an der Hand von literarischen und ikv-
nographischen Darstellungen aller christ-
lichen Jahrhunderte untersucht und dabei
fast in jeder Zeile des meisterhaft zu-
sammengedrängten Textes eine Fülle von
theologischen, kirchen-, kultur- und kunst-
historischen Problemen gestreift, deren
Belege aus Dokumenten und Monumen-
ten in Hunderten von Anmerkungen am
Schluß des erweiterten Vortrags förmlich
verstaut Am Auge des Lesers zieht
das Bild des Apostels im Wandel der
Jahrhunderte vorüber. AU die wechseln-
den Typen des Paulusbilds, all die ver-
schiedenen Formen christlicher Fröm-
migkeit, all die Spiegelungen des
apostolischen Völkerlehrers in den
wissenschaftlichen Auffassungen christ-
licher Theologen des Abend- und Mor-
genlands erfaßt Dobfchützs Forscherblick
und sondert mit souveräner Stoff-
beherrschung seine Führerhand, deren es
wahrlich nicht bloß auf dein Gebiet der
ireueren unübersehbaren Paulusforschung
bedarf. Neu ist an diesem an Umfang
kleine::, an Inhalt und Ausstattung hoch-
bedeutsamen Werk der großzügige Ver-
such, das Verständnis für Denken und
Handeln, Taten und Schriften Pauli zu
fördern durch Heranziehung des gesamten
künstlerischen Niederschlags seiner gewal-
tigen Persönlichkeit. Dobschütz begründet
diese erstmals unternommene Aufgabe

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