Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

Seite: 139
DOI Heft: 10.11588/diglit.15947.23
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15947.27
DOI Seite: 10.11588/diglit.15947#0151
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1929/0151
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
damit, daß „in der Rolle, die Paulus in
der Kunst spielt, auch ein Stück seiner
weltgeschichtlichen Bedeutung sich abspte-
gelt" (6. 3). Wenn der in Kirchen- und
Kunstgeschichte gleich gut bewanderte ev.
Theologe über die Vernachlässigung der
ikonographischen Studien mit Recht klagt,
darf er sich auch in bescheidenem Stolze
berechtigt halten, seine Paulusikono-
graphie als ein Muster für die dadurch
angeregten, Literatur und Kunst verbin-
denlden Arbeiten aufzustellen. Wieviele
Schüler werden es an entsagungsvoller
Kleinarbeit und genialer Kombinations-
gabe dem Meister gleichtun können und '
wollen? Wohl Haben unsere Ikono-
graphen von Didron bis Detzel-Künstle
in ihren, wie es scheint, vom Verfasser
nicht beachteten Sammelwerken, ähnliche
Vorarbeit in begreiflich weit kleineren
Längsschnitten zu leisten versucht, vor
allem zuletzt Künstle mit ähnlicher be-
wunderungswürdiger Vereinigung iko-
nographischer und patristisch-litevarischer
Quellenkenntnis, aber zu solcher Höhe
und Tiefe geistes-wissenschaftlicher Auf-
fassung der Kunstgeschichte, wie sie mehr
für das Profangebiet der verewigte
Prag-Wiener Kunsthistoriker Dvorae be-
gründet u. F. Raver Kraus für die christl.
Kunst teilweise vorgeahnt und vorgebaut
hat, konnte nur eine Einzelmonographie
in der Hand eines kunsthistorisch versier-
ten Paulusforschers sich aufschwingen.
Das seltene, vielfach erstmals publizierte
Bildmaterial, dazu der reiche wissenschaft-
liche Apparat, machen das Buch, abge-
sehen von dem Anreiz der gefälligen, all-
gemein verständlichen Sprache zu einer
Fundgrube kunst- und kirchengeschicht-
licher Aufschlüsse. Daß Dobschütz sich gegen
die von extremer Bibelkritik unternom-
mene Scheidung zwischen dem geschicht-
lichen und dem von Paulus gepredigten
Ehristus wehrt, muß uns die Stellung-
nahme des Theologieprofessors von Halle-
Wittenberg noch wertvoller erscheinen
lassen, ebenso sein Protest gegen die
antirömische Auslegung der Bildplazie-
rung Pauli gegenüber Petrus (links
Ehrenplatz) seitens protestantischer Theo-
logen und Kunsthistoriker (S. 5 ff.).

Als Dosis ölige te phile te für die
mannigfachen Anregungen der Paulus-
bilder wie der „Christusbilder" und die
vor 25 Jahren erstmals dort gesuchten
Aufschlüsse über mein Christus-Apotheker-
bild möge eine kleine Auswahl von
Bei- und Nachträgen zum zweiten oder
dem mit Spannung erwarteten dritten
Teil vom hochverehrten Verfasser ange-
nommen werden, wenn je solche bis da-
hin seinem und seiner vielen Freunde
Forscherauge entgangen sein sollten:

S. 48 A. 26 Credoartikelverteilung
Künstle, Ikonographie d. chr. K. l. 4928 2.
,483 ff., dazu über Reihenfolge der Apostel
nach Meßkanon Thalhofer-Eisenhofer, Hand-
buch d. Liturgik I 2 4942 S. 301. Derselbe:
Ikonog. d. Heiligen 0 4926) S. 487 ff. über
Paulus. Zu S. 88 das Bened.-Kloster St.
Paul in Kärnten; wie Clugnp auch Hirsau
Klosterkirche St. Peter und Paul. — Das
von Radowitz angeführte Hagelpatronat mag
eher auf Verwechslung mit dem Wetter-
patron (Johannes und) Paulus, Märtyrer
unter Julian beruhen. Zu S. 76 A. 77
Paulus mit Franz von Assisi weitere Bei-
spiele bei B. Kleinschmidt, Franziskus und
fein Werk 4 4926 2. 28, 442, 423. Zum spät-
gotischen Typ sei ein Meisterwerk schwäbi-
scher Kunstcharakteristik angemerkt: St. Paul
Holzstatueu in den Pfarrkirchen Bingen,
DA. Sigmaringen, und Bellamont, OA.
Biberach, beide als Werk Syrlins jüngst
anerkannt (s. Otto, Ulmer Plastik in der
Spätgotik 4927 S. 446 ff.) und für karo-
lingische Zeit das neuentdeckte Fresko in
der Prokuluskirche zu Naturns in Südtirol
lbezw. Provincia di Bolzano!)

Seyfert, B., Geschichte im Bilde. 1. Teil

Von der Urzeit bis zum Ende der

Antike, 5. A. 1928. Gr. 4°. 122 S.

382 Abb. Halle fl. S. Buchhandlung

des Waisenhauses. Geb. Mk. 5.—.

Ein ausgezeichnetes Gegenstück zu dem
in Süddeutschland mehr verbreiteten
Luckenbachschen „Kunst und Geschichte" ist
das von Professor Dr. Bernhard Seyfert
in neuer dlufläge herausgegebene kultur-
geschichtliche Bilderbuch für Schule und
Haus. Der erste von den drei Teilen der
völlig umgearbeiteten 5. Auflage behandelt
die vorgeschichtlichen Kulturepochen der
alten Kulturvölker und die Antike bis
zum Aufkommen des Christentums. Auch
die neuesten Funde und Forschungen
sind verwertet, z. B. die wunderbaren

1Z0
loading ...