Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

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gärigen. Unter den oft nur — entspre-
chend der erweiterten Vortragsform —
skizzierten Fragen des sinnlichen und
geistigen Eros, ihrer Ursachen, Auswir-
kungen oder Einschränkungen wird wohl
ein Abschnitt der Sexualität u. Aesthetik
gewidmet u. die künstlerische Darstellung
des sinnlich zeugenden Eros nur dem
Heidentum und seiner Verabsolutierung
auch dieser Naturkraft im Menschen zu-
geschrieben. Vielleicht unterzieht der
gegenüber Muckermann mehr philoso-
phisch als biologisch versierte oder vor-
gehende Verfasser bei den „künstlichen
Steigerungen der sexuellen Ursachen"
(Nahrung, sinnliche Erkenntnis!, künst-
liche Hervorhebung der Geschlechtsunter -
schiede in Kleidung, Bewegung, Nackt-
kultur u. a.) auch die angeblich künst-
lerische Hervorhebung dieser Motive
einer Untersuchung, wie er es wohl schon
in einzelnen Vorträgen über Kunst und
Sittlichkeit getan hat. Spielt ja leider
Gottes das Sexualproblem in der heuti-
gen Kunst, der bildenden, nicht bloß der
redenden, literarischen und theatralischen
eine Hauptrolle wie Lewandowski u. Ma-
recks Werke über das Sexualproblem in
der modernen Literatur und Kunst und
Sittengeschichte des Kinos (1926) unzweü
deutig darzulegen scheinen.

Mayer H., Katechetik. Theorie des Reli-
gionsunterrichtes für Volks-, Fort-
bildungs- und höhere Schulen. 2. Aufl.
Gr. 8°. 200 Seiten. Freiburg 1928,
Herder. Mk. 4.40.

Der ehemalige Führer der Münchener
Katechetenschule und jetzige Hochschul-
professor in Bamberg, Dr. Heinr. Mayer,
war wie wenige berufen, eine den Forde-
rungen der Zeit entsprechende Methodik
der religiösen Iugendunterweisung für
Katecheten an Volks- und Mittelschulen
zu schreiben. Seine beim ersten Erscheinen
von der Fachkritik günstig beurteilte
Katechetik hat in der 2. Auflage mehrfache
wertvolle Ergänzungen erfahren, sowohl
in den meisten religiös-pädagogischen
Fragen, als auch in den Literaturangaben.
In den Umkreis der christlichen Kunst
und ihrer Interessen wie Interessenten
fallen allerlei aktuelle Probleme des kath.

Religionsunterricht, die Mayer mit glei-
cher Sachkunde wie die traditionellen Auf-
gaben meistert, so Anschaulichkeit u. Hei-
matprinzip S. 52 ff.). Eingehend wird das
Bild in allen Formen als Mittel reli-
giöser Bildung behandelt, die Fertigkeit
des Zeichnens für jeden Katecheten als
wünschenswert erklärt. (Die Neuausgabe
der Meyschen Meßopferkatechesen verlangt
das Zeichnen jetzt ebenfalls im R.-U.)
Die Verwendung von Lichtbild und Film
wird besonders für größere Städte emp-
fohlen. Der Verwertung der äußeren
Denkmäler der Vergangenheit und Gegen-
wart, kirchlicher und weltlicher, wird
besonders das Wort geredet (S. 60 f.)?j
Neben den vielfach nur ephemere Be-
deutung beanspruchenden Kleinzeitschrift-
artikeln über Bilder im R.-U. hätte der
Beitrag des hochw. Bischofs P. W. v.
K e p p l e r, „Das religiöse Bild für
Kind und Haus" (Aus Kunst und Leben
U. Seite 1—26), einen Platz in der
jedem Kapitel vorangestellten dankens-
werten Literaturangabe verdient (S. 52),
ebenso Seite 129 bei den Anschauungs-
mitteln für Kirchengeschichte unter den
„Sammlungen weltlicher Geschichtsbilder"
das in Süddeutschland verbreitetste,
wissenschaftlich wie praktisch! empfehlens-
werte Buch: Luckenbach, Geschichte
und Kunst. 8. Aufl. 1923.

Lippert P., Credo. I. Bändchen: Gott.

12°. 130 S. 9. Aufl. 1928. Freiburg,

Herder. Kart. Mk. 1.80.

Nur ein Meister des Wortes wie
Peter Lippert 8. J. vermag aus der
Fülle seines Wissens und der Tiefe seines
Gemüts einer „Auswahl dogmatischer
Lesestücke, Darstellungen aus dem Gebiet
der christlichen Glaubenslehre" ein Leben
einzuhauchen, daß modernste Hörer und
Leser den tiefsten Spekulationen über
die Grundwahrheiten des christlichen
Glaubens folgen und dem Verfasser bis
zu immer neuen Auflagen treue Gefolg-
schaft leisten. Hier ist nicht bloß, wie
neuerdings vielfach und mit gutem

*] Vor allem verlangt der Verfasser dieser
ausgezeichneten Katechetik ausdrücklich die
Kunstgeschichte zur Belebung des liturgischen
Unterrichts an höheren Lehranstalten (S. 166).

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