Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

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Das sprachliche wie bildliche Gewand,
das der Freiburger Verlag Herder
u. C o. der einen seiner drei Ausgaben
der Nachfolge C h r i ft i von Tho-
mas von Kempen gegeben Hai,
stellt die von Bischof I. M. Sailer über-
setzte, von Dr. F. Keller erneuerte Aus-
gabe des goldenen Büchleins an erste
Stelle (16. Ausl. 24». 536 S. 1928.

Lwd. Mk. 2.20). Wie Sailers Ver-
deutschung des „Schatzkästleins göttlicher
Weisheit" klassisch genannnt werden
darf, so verdient auch Meister Joseph
von Führichs Jllustraüon der „Nach-
folge Christi" dasselbe rühmliche Prädi-
kat. 56 Bilder, direkte Verkleinerungen
der Führichschen Originalholzschnitte zu
den vier Büchern der Nachfolge Christi
(Leipzig, Hegel u. Schade 1911) schmücken
die Herdersche Ausgabe.

Zwei andere kleine Kempis-Ausgaben
desselben Verlags bieten ohne Bilder
außer dem wirkungsvollen Titelbild des
kreuztragenden Heilands die Pfistersche
Uebersetzung, die kleinere Nr. 8, 30. Ausl.
(1928. 24°. 370 S. gebd. Mk. 2.—), die
erweiterte Nr. 8. 31. Aufl. (1928, 24«.
460 S. gebd. Mk. 2.50) mit dem Lebens-
abriß des Verfassers und den „Ent-
schließungen" am Ende jedes Kapitels.
Die Persönlichkeit des Uebersetzers und
Verfassers letzterer Beigaben, ein hoch-
verdienter Mitdiözesangeistlicher, Dr.
Adolf P i st e r (zuletzt Stadtpfarrer in
Ehingen a. D., ch 1878), der berühmte
Herausgeber der Rolfus-Pfisterschen
„Realenzyklopädie des Erziehungs- und
Unterrichtswesens nach katholischen Prin-
zipien" (5 Bde., 2. A. 1872—1874) muß
diese Ausgaben, abgesehen von ihren
alten anerkannten Vorzügen (Treue der
Uebersetzung, schlichte Sprache, melodi-
discher Fluß der Sätze, aszetische Auswir-
kung in den „Entschließungen") unserem
Interesse noch näher bringen. Für eine
Neuauflage der biographischen Einleitung
der größeren Ausgabe würde sich künftig
die Verwertung neuerer Forschungs-
ergebnisse, des. Pohls, empfehlen.

Gegenüber einzelnen Andachtsbüchern
können wohl manche, wenn nicht die
meisten Religionsunterrichts-
bücher noch immer nicht sich in den

Ruhm teilen, die FortschriUe der Kunst
der Illustration und Buchtechnik auch auf
die Hilfsmittel religiöser Iugendunter-
weisung angewandt zu haben. So festlich
das neue Titelblatt nach dem Dietrich-
schen Gemälde, so abgegriffen und alt-
hergebracht ist die Textillustration in der
vom Fürstbischöflichen Ordinariat zu
Breslau herausgegebenen Biblischen
Geschichte (Freiburg Herder 1928,
8». 308 S. Lwd Mk. 2.—). Die Auswahl
der Erzählungen schließt sich wie die Illu-
stration noch ganz an die alte Schuster-
Mey'sche Ausgabe an, eine vorteilhafte
Neuerung aber sind die als Anhang bei-
gegebenen Proben von Psalmen, Pro-
pheten- und Lehrbüchern des Alten Testa-
ments, und von Apostelbriefen des
Neuen im Wortlaut, sowie je vier Bild-
tafeln zu beiden Testamenten, worin
Kunst, Kultur und Landschaft des bibli-
schen Altertums zu ihrem Rechte kommen
nach ausgezeichneten Photographien.

Zu dem erstaunlich billigen Preis von
0.90 Mk. eine in Halbleinwand gebun-
dene illustrierte „K i r ch e n g e s ch i ch t e
für Schule und Lebe n" (3. A. 12°
86 S. 1928) zu liefern, die für Fortbil-
dungsschüler berechnet, bei lehrenden und
lernenden Erwachsenen noch Interesse zu
wecken vermag, ist ein Meisterstück des
Verlegers Herder-Freiburg und eine Mu-
sterleistung des Verfassers, Dr. E. Jehle.
Auf 234 Seiten wird, unserem früheren
Wunsch gemäß, das Kapitel Kirche und
Kunst abbehandelt, eine gelungene kurze
Geschichte der christlichen Kunst, die nur
vom 18. und 19. Jahrhundert wenig
(Gutes?) zu melden weiß.

Fast beneidenswert ist die Mittelschul-
jugend, die an der Hand von S ch u h -
macher-Lindemanns „Kirchen-
geschichte in Zeit - und Lebens-
bildern" (6.—8. Aufl. Ausg. B für
höhere Mädchenschulen, 8° 204 S., Hlw.
Mk. 2.80, Freiburg, Herder 1928) in die
Entwicklungsgeschichte des Reiches Gottes
auf Erden eingeführt wird. Wie zeit-
gemäß dieses Unterrichtsbuch abgefaßt ist,
beweisen die zwei letzten Paragraphen,
§ 66 und 67: Kirche und Weltkrieg und
Kirche und Revolution. Aus der Kunst-
geschichte ist nur die mittelalterliche Kunst

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