Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

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reichster Quellen- und Literaturforschung
und tiefschürfender Quellenanalyse heraus-
zuschälen versucht. Die auch sonst für
schwäbische Geschichte verhängnisvolle Ar-
beit des Vorarlbergers Chronisten bzw.
Fabulisten N. Lirer und des Einsiedler
Humanisten Albr. v. Bonstetten, die all-
mähliche Erweiterung der Urlegende, die
Entstehung der einzelnen Motive, endlich der
geschichtliche Kern der Legende um die Kirch-
berger Grafentochter wird überzeugend dar-
getan. Das Kenotaph der Seligen von 1496
in der ehem. Klosterkirche zu Fischingen am
Fuß der Toggenburg schmückt das spoeimen
oruäitionis, dem auch Günters Legenden-
studien zu gute gekommen sind. Einhei-
mische und auswärtige Verehrer der so
romantisch umkleideten schwäbischen Seli-
gen, -der auch ein recht spätes Altarbild in
Qberkirchberg gewidmet ist, wird es interes-
sieren, daß Rez. ein frappantes Gegenstück
der Jdalegende auf einem großen Bild und
langen Bildtext in der Burgkapelle Brauns-
berg ober La na, Südtirol, vor Jahren
entdeckt und zuerst in der eingegangenen
Deutschen Meraner Zeitung 1922, dann in
der Zs. f. Schweiz. Kirchengeschichte (1926),
in der Rottenburger Monatsschrift (1927)
und zusammenfassend in dem neuen, noch
geduldeten Deutschen Meraner Almanach,
des Burggrafenamts Volks- und Hauskalen-
der (1930) berichtet hat. A. N.

*

Die trefflich geleitete und reichlich be-
diente „Rottenburger Monatsschrift" berührt
Heimatkunstgebiet: XI. H. 2: Die Bilder
und Inschriften des Chorgestühls der Her-
renberger Stiftskirche von E. Stolz, und
H. 8: Die Marienwallfahrt zu Stein-
haufen und das dortige Gnadenbild
v. B. Rueß. In den „Blättern f. württbg.
Kirchengeschichte, XXX. H. 1/2 setzt Pfr.
Fritz seine tiefschürfenden Untersuchungen
über das Wirken der württbg. (evangel.)
Pfarrer im 30jähr. Krieg fort, aus denen
auch einzelne kleine Notizen über Pfarr-
und Klosterkirchen nach dem Restitutions-
edikt (z. B. Walderichskirche S. 69) abfallcn.
Besonders ergiebig für die christl. Kunst-
geschichte ist das dem 1400jährigen Jubi-
läum von Monte Casino gewidmete Doppel-
heft (XI. Heft 3/4), der Beuroner Benedik-
tinischen Monatsschrift in Wort und Bild
(S. 128 Mosaiken der St. Benediktus-Krypta
in Monte Casino; S. 254 Qberaltaich Fresko).
Erinnerungen an P. Des. Lenz bringt Dr.
G. v. Grävenitz S. 410 ff. Einem anderen

Veteranen der Beuroner Klosterkunst wid-
met P. A. Pöllmann eine Miszelle, P. Pau-
lus Krebs zum 80. Geburtstag (S. 474). Die
von Pfr. Berchtold-Alberschwende, Vorarl-
berg im 3. Iahrg. herausgegebene Heimac-
zeitschrift „Alemannia" (6 Hefte Mk. 4.—)
streift beinahe in jedem Artikel schwäbische
Kunst-, Orts- imd Landesgeschichte. Beson-
ders wertvoll ist Dr. Ulmers Aufsatz über
die Vorarlberger Bauschule und ihre Mei-
ster (S. 14 ff.); über den bisher unbekannten
Meister der Rechberger Wallfahrtskirche B.
Brenner folgt Publikation neuer Aktenfunde
durch Ref. Auch Württemberger, wie Direk-
tor Dr. Gößler, Pfr. Dr. Aich, P. P. Schnei-
der 0. 8. B sind mit kleineren Beiträgen
vertreten. Ein fast beneidenswertes Ideal
einer Heimatzeitschrift nach Inhalt und
Ausstattung ist der von Rektor Sczdrok-
Colonnowska redigierte „Oberschlesier". An
kunstgeschichtlichen Beiträgen enthält der
11. Jahrgang Aufsätze über Bednorz's
Steinfiguren (S. 248 ff.), oberschlesische

Dorfkirchen (299 ff.), die St. Hedwigskusel
(S. 390 ff.), die Hedwigskirche in Pleß (<5-
598 ff.). Den schlesischen Mundarten ist ein
vortreffliches Sonderheft (XI 2) gewidmet.
Gerne sei die erbetene Empfehlung auch
hier erteilt der im Verlag der Tyrolia
Innsbruck erscheinenden Monatsschrift:
„Natur und Kultur", zumal XXXVI 3 von
P. B. Wilhelm 8. J., einen Beitrag zur
Leonardo-Forschung (Malerei und Flugtech-
nik) enthält; ebenso dem von H. Schnell-
München geleiteten „Neuen Studententum",
Hochlandsverbandsorgan zur Pflege neu-
studentischer kath. Ideale: IX 1: Gedanken
am Wege christlicher Kirchenbaukunst von
Wirtz.

*

Das von der schweizerischen 8oeieta?
8. llueae herausgegebene 4. Jahrbuch für
christliche Kunst: Ars sacra (8° 50 S.
25 Tafeln. 1930. Basel, Heß. Fr. 3.60) will
wiederum das neue Wollen und Können
einer modernen oft- und westschweizerischen
Künstlerschar auf den verschiedensten Gebie-
ten religiöser Kunst in Wort und Bild dar-
legen. Reben trefflichen, bei uns heute selbst-
verständlichen Ausführungen über neues
Kirchenbauen und Tätigkeitsberichten nimnst
den Hauptteil des Heftes die Beschreibung
der abgebildeten Bauwerke, Wand- und
Glasmalereien, Plastiken, Graphiken und
Goldschmiedearbeiten ein. Nicht alles Gute
daran ist modern und nicht alles Moderne
ist gut gelungen.

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