Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg: eine Vierteljahresschr — 1.1868

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CHEen Loesch, Phil. Fred. Landfried und dem Kirchenraths-
renovator Mül Haeuser, die aber sämmtlich geborene gute Deutsche
seien. Längst schon Hütte der reformirte Kirchenrath die Gemeinde
aufgelöst, wenn Pfarrer Kilian der Aufforderung gefolgt, und sich
um eine andere reformirte Pfarrstelle gemeldet hätte. „Bei den:
Verlust der jenseitigen Kirchenrevenüen müsse der Kirchenrath um so
mehr auf seinem Beschlüsse beharren, als eine bestimmungswidrige
Besoldungsausgabe von mehr als fl. 800 zur Verbesserung der
schlecht salarirten Pfarr- und Schulstellen nützlicher verwendet werden
kann."
Pfarrer Kilian machte für sich hiergegen geltend, er habe seiner
Zeit sein Vaterland und ein viel stärkeres Einkommen in Haag ver-
lassen und sich in Heidelberg niedergelassen; er habe sich wesentliche
Verdienste um die wallonischen Gemeinden in der Pfalz erworben:
am 8. Mai 1778 haben ihm die Deputirten der pfälzischen Wnl-
lonengemeinden eine Vollmacht gegeben, damit er in Holland Geld
zur Errichtung einer gemeinsamen Kirchenkasse in der Pfalz sammle;
1779 sei er auf 8 südholländische und wallonische Synoden gereist,
von denen er beinahe fl. 3000 zusammengebracht habe; endlich habe
er es 1781 dahin gebracht, daß die pfälzischen Deputaten jährlich
st. 300 bezögen; erst 1782 sei er von Haag wieder abgegangen, um
in Heidelberg seinen Dienst weiter zu verrichten, und als der fran-
zösische Revolutionskrieg losbrach, und die Franzosen auch in Heidel-
berg eindrangen, so war seine „Kirche so angefüllt von den sonst so
sehr verschrieenen irreligiösen Franzosen, die, nachdem sie denn Ein-
tritt in die Kirche sich niedergekniet und das Kreuz gemacht hatten,
mit uns sangen, beteten u. s. w." Als sonstige Besucher der Gottes-
dienste werden nur Fremde genannt« unter Andern die Prinzessin
Caroline von Hessen-Philippsthal und die gräflich Jenison'sche Familie.
Aber ungeachtet dieser Vorstellungen beharrte die Regierung auf
ihrem Auflösungsdekret der wallonischen Gemeinde, welches, wie ge-
sagt, schon am 15. Februar 1802 ausgefertigt war.
Von den weitern Schicksalen der Gemeinde können wir nur noch
Folgendes angeben Im Jahre 1655 stand das wallonische
Fascikel: Das Wallonische Pfarrhaus und dessen Reparaüon . äs anno
1655-1768. (153.)
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