Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg: eine Vierteljahresschr — 1.1868

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weht es in die ftucht des selbes, davon wirt das gefilte unfruchtbar.
Jttem ettlich haben bekennt von dieser schulte und sect, die man ver-
brannt hatt und sagen, das das gebott ires dewffels und Meisters
ist: so ungestüm in den lussten ist von wind, so müssen sie uff den
hohen berg gehn und das eiß uff einander tragen ein großen Hüffen
und sagen einstheils, das sie das eiß mit ine furen in die luffte uff
iren sieben und verderben domit landt und tewt und das gefild irer
feinde. Doch können die kunst nit alle die in der geselschaft, und
sint auch eintheils nit so kuen re. Item so man sie fragt, warumb
sie ine ein solich schul und sect komen, antworten sie: durch dreierlei
sach willen. Item zum ersten, es seint einstheils lewte also genaturt,
das sie nit mit friden mögen geleben und machen ine vil feinde und
als sie wider mennigklich seint, also ist auch menniglich wider sie von
dem geschlecht Jsmaelis; dann, wan sie sehn, das sie sich selbst nit
mögen gerechen, rufen sie den dewffel an. Und darumb, wen die
von der sect sehn, das ire nachburen also bekommert sint, so machen
sie sich zu ine, in gestalt als wolten sie sie trösten und klagen und
fragen die ursach irer trawrigkeit und so sie erfaren, das neidt und
haß die ursach ist, so raten sie ine in die sect und irsal zu komen,
do sie sich in rechen mögen und also verfuren sie ire nachbarn und
Johannes, ihres Ketzermeisters, haben bekannt, als man sie verbrannte: wenn
einer zum ersten Mal in die Gesellschaft komme, so ziehe der Teufel oder Meister
dem Verführten das Blut aus den Adern; damit schreibt er auf ein Pergament
und behält die Schrift bei sich; viele von der Secte haben das gesehen. Wenn
sie die Kindlein tödten oder ersticken wollen, gehen sie Nachts heimlich zu dem
Kinde und erwürgen es, und Morgens, wenn man es in die Kirche oder zum
Grab tragen will, so kommen die Ketzer und klagen mit den Eltern; ist aber
das Kind begraben, so graben sie es Nachts wieder aus, tragen es in die Sy-
nagoge und Versammlung u. s. w., und essen es, wie vorhin schon gesagt. Auch
sind etliche Frauen gewesen, wie Johanna, die man verbrannt hat, die vor
Jedermann bekannt haben, daß sie ihre eigenen Kinder getödtet und in der Ver-
sammlung gegessen haben und andere, die ein Kind ihrer Tochter getödtet und
gegessen haben. Ebenso bekennen sie, die seien die Frömmsten und Besten in
der Secte, die oft das Sacrament (Abendmahl) nehmen, oft beichten, viel beten
vor den Leuten, gerne Messe hören; sie thun das nur zum Schein, daß man
keinen Argwohn auf sie werfe und dadurch die Büberei und Ketzerei offenbar
werde. Somit hast du gcnug vernommen von der Secte und Versammlung der
nachtsahrenden Leute, Unholden, Zauberinnen, welche die Katzen und Besen
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