Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg: eine Vierteljahresschr — 1.1868

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lichen Farben. Die Union der protestantischen Fürsten und ihre Ver-
bindung mit England durch Friedrichs Heirath hatte den Haß der
Jesuiten nur steigern können. Man verlangte in Pamphleten die
Vernichtung der Ketzer und das Verlangen trug seine Früchte.
Es mochte deßhalb in den Jahren 1614—17 gewesen sein, als
an Friedrich V. ein Mordversuch gemacht wurde. Der auf uns ge-
kommene Bericht lautet wie folgt:")
Nicht nur die ^roteotirsnäs oder Evangelische, sondern auch alle
aufrichtig alte Katholische und sonsten andere gewissenhafte Gemüter haben
je und alleweg die meuchelmörderey, die heutigs tags offt und viel
pimetisirt wird, auff daß hefftigst impi'odirl 50) und gescholten, wie
an Kaffer Maximilian II. zu sehen, Welcher in anno 1574 in einem
an Ua-mi-um an Schwendi abgegangenes Schreiben das Blutbad zu
Paris höchlich und ernstlich bestraft und improdirt.
Weniger nicht improlürt,) eondemnirt 51) und verdampt das
Französische Parlament solche Heuchelmörderey, also ernstlich und
scharpff, daß sie der Jesuiter Bücher, welche solche Mörder in Himmel
erheben, durch den Henker verbrennen und ihnen anzeigen lassen,
wenn sie solche Lehren mehr treiben, sollen sie gleich dem Thäter ge-
richt werden.
Der König in Engelland straffet sie ernstlich und will sie gar
nicht dulden, und obwohl solche Meichel- und Königsmörder, abschew-
licher und erschröcklicher weise, ihrem Verdienst nach, sowol in Franck-
reich, als Engelland, mit Schlaffen, Viertheilen, Pferdt zu reisten,
mit Schwerdt, Fewer, haissem Oel, Schweffel und Bler>, gemartert,
gequelt und Hingericht werden.^'dannoch von solchen unmenschlichen

Durch die zuvorkommende Freundlichkeit des Herrn Rechtsanwalt Mays zu
Heidelberg ist mir die Druckschrift, welche die obige Geschichte enthält, mitgetheilt
worden. Ihr vollständiger Titel ist: „Mordpractica, das ist: Gründlicher Bericht,
wie dem Durchlauchtigsten, hochgebornen Fürsten und Herrn, Herrn Friedrichen
dem V. Pfalzgrafen bei Rhein rc. Zween Meuchelmörder zu Heidelberg heimlicher
weiß nach dem Leben gefielt und ihre Churs. Gn. hinrichten und umbbringen
wöllen. Wie sie darüber gefangen, und was sie bekennt und ausgesagt. Erstlich
gedruckt zu Magdeburg (ohne Jahreszahl.) — Ich fand den Inhalt dieser Schrift
noch nirgends verwerthet, weßhalb sie oben abgedruckt ist. getadelt, ver-
worfen. verdammt.
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