Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg: eine Vierteljahresschr — 1.1868

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Mono, Zeitschrift XI, S. 43ff. edirten Urkunde von 1369 Z geht
übrigens hervor, wie nlt der Jrrthmn ist, der Name käme von den
Geißen, worauf man allerdings zuerst verfallen mußte, als man die
alte Bedeutung des Wortes und feinen wahrscheinlichen Bezug auf
die Angelegenheiten des Gau's nicht mehr verstand. Auch später
tibersetzt N'slwmw bei Freher oriZ. INI. I, eap. IX: „LiontiZnnm
cpüäeiu INON8, volle aw06ni88irn3. ncl oivlotrovo (Ii8liuetn8, vulgo
Ooiolloi'A voootvv, ici 68t enprnrnin inov8". Hieraus geht zugleich
ziemlich sicher hervor, daß VlelwLvo von Heidelberg ausgehend den
äußersten Gipfel der Bergkette meint, den wirklichen vordem Gäus-
berg, nicht den sogenannten „kleinen Geißberg", den Freher oop. IV
mon8 Lnprannw nennt, dabei den Vorhügel des Königstuhls verstehend,
worauf das alte Schloß (die jetzige Molkenknr) stand. Auf diesen
ist der genannte Name aber offenbar erst übertragen, und derselbe
in der Folge als „kleiner", von dem eigentlichen, als großem Gäus-
berg unterschieden worden.
Dieser Unterschied ist schon in Kayser's Chronik S. 19—21
durchgeführt, ebenso auf dem, dem Werke beigefügteu alten Stadtplane
ersichtlich, wo dem größeren Berge der Name beigeschrieben ist 6).

In derselben Urkunde wird auch das Dorf „Geüberg" — also mit der-
selben Schreibung wie in der andern oben erwähnten gleichzeitigen Urkunde
genannt. —
°) Kaum einer Widerlegung bedarf, was der, jedweder Kenntnisse deutscher
Sprachgeschichte Laare Dumbeck auf Seite 59—60 seines Werkes beibringt, der
Jettenbühl und Gäusberg seien lokal und sprachlich identisch! Der Umstand,
daß dieser letztere schon zur fränkischen (Karolinger) Zeit dornvindero hieß, zu
welcher Zeit das Wort „Geiß" (Ziege) schon oder §a.iö lautete, beweist
hinlänglich, daß der Name nicht von dem letzteren Worte abstamme, denn sonst
müßte der Berg damals OeirwerA geheißen haben Dies ist aber weder der
Fall, noch würde der Name Jettenbühl, der zudem erst im 16. Jahrhundert vor-
kommt, damit die geringste Verwandtschaft haben. — Auch dem Friesenberg wird
von Dumbeck ein viel zu weiter Begriff beigelegt; so heißt bekanntermaßen nur der
östlich vom Schloßhügel bis zum Karlsthor hin sich erstreckende wilde Abhang,
von dem schon Melissus richtig bemerkt, er habe seinen Namen von seiner rauhen,
kalten Lage („ri^oris mono"); derselbe kommt nämlich von dem Worte „flie-
sen", der ylteren Form von „frieren", — und die Bezeichnung „kaltes Thal",
welches die Wand des Fliesenbergs bildet, ist nur eine Uebersetzung von Frie-
senthal. - Die Vermengung alter dieser Bergnamen ist umso ausfallender als
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