Zacharias <Gazaeus>  ; Mayer, Carl; Ahrens, Karl Wilhelm Christian   [Hrsg.]
Die sogenannte Kirchengeschichte des Zacharias Rhetor — Leipzig, 1899

Seite: XIX
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Einleitung.

XIX

hinausragen. Freilich hat wer Quelle an Quelle reiht
nicht viel Gelegenheit zur Entfaltung eigener Urteilskraft.
Immerhin ist die Art der Verknüpfung der Quellen in
unserem Text nicht gänzlich unbeholfen. Auch in anderer
Beziehung zeigen sich Spuren von Geschmack: unser
Freund will nicht schmeicheln (1,1 S. *5,37), will Anders-
gläubige nicht schmähen und nicht durch Tadel herab-
setzen (*6, l), sofern seine Quellen ihn nicht dazu zwingen;
er will kurz sein, um den Leser nicht zu ermüden und
den Hörer nicht überdrüssig zu machen (2, 1 S. *21, 16);
er beklagt sich gelegentlich über die Weitschweifigkeit der
Griechen (6,7 S. 99, 6), und thatsächlich hat er den
Zacharias mehrfach, wie es scheint gerade auch aus for-
mellen Gründen, gekürzt. Natürlich mufs man dabei
vielfach den guten Willen für die That nehmen; auf über-
grofse Knappheit der Rede (6,7 S. 99, 3) wird Keiner
bei einem Syrer rechnen. Endlich hat ein berufener Kri-
tiker auch der Übersetzungskunst des Anonymus kein
schlechtes Zeugnis ausgestellt. Nöldeke schreibt in der
oben zitierten Rezension (Sp. 3): „Wir müssen dem Sammler
das gute Zeugnis geben, dafs er weniger pedantisch über-
setzt, als seine meisten Volks- und Glaubensgenossen. Zwar
zeigen sich auch in seiner Sprache genug Spuren engsten
Anschlusses an das Griechische, aber doch zwängt er
selten seine Muttersprache so gewaltsam in griechische
Ausdrucksweise hinein, wie wir das von syrischen Über-
setzern nur zu gut kennen." Man darf zu diesem Zeugnis
noch das andere hinzufügen, dafs der Sammler seiner Ab-
Wortlaut sich erstreckende Abhängigkeit des dritten Teils von
Malalas. Indessen kann ein abschliefsendes Urteil so lange
nicht gefällt werden, als nicht der dritte Teil des Dionysios
in Ubersetzung vorliegt. Mich. Syr., der nach eigenem Zeugnis
Joh. Eph. ausschreibt, wird ein willkommener Eideshelfer für
Naus These sein; aber erst auf Grund genauer Textvergleichung
kann festgestellt werden, ob der Joh. Eph. Naus auch wirklich
seine Vorlage bildete (vgl. z. B. Mich. Syr. 181, 15—21 [wohl
sicher aus Joh. Eph., jedenfalls nicht aus unserem Texte 8, 1
S. 141, 16 ff. herzuleiten] mit Joh. Eph. Nau 473 unten).

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