Zacharias <Gazaeus>  ; Mayer, Carl; Ahrens, Karl Wilhelm Christian   [Hrsg.]
Die sogenannte Kirchengeschichte des Zacharias Rhetor — Leipzig, 1899

Seite: 27
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II, 5. Brief des Proklos an die Armenier.

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und nach ihm Maximos; und in Jerusalem Jubenalios
sechsunddreifsig Jahre, der sich auf drei Synoden befand,
da (S. 103) die Zahl seiner Jahre lang war.

Das fünfte Kapitel, in welchem der Brief des

5 Proklos, des Oberpriesters von Konstantinopel, an die Ar-
menier enthalten ist, der sehr vorzüglich ist und den
Glauben des Mannes zeigt, und den wir hier zu seinem
Gedächtnisse und zur Förderung unserer gläubigen Brüder
abgeschrieben haben. — Brief des Proklos. — „Das Ge-

10 heimnis des wahren Glaubens, meine Geliebten, ist die wahre
Liebe und das reine, zweifelfreie Bekenntnis der gleichen,
ungeteilten und keiner Hinzufügung fähigen Dreifaltigkeit,
und ein wahrhaftiger Sinn, der sich nicht bedingungsweise
ändert in seinem Glauben an Gott, einem Glauben, den

15 wir nicht (nur) auf steinernen Tafeln wie einen Abdruck
(xvnoq) besitzen, sondern auf den Tafeln unserer Herzen
als ein Geheimnis tragen, auf den Tafeln, die ans Kreuz
angeheftet und durch Besprengung mit dem Blute Gottes
beschrieben sind. Aber es geziemt sich uns nicht nur

20 zu glauben, sondern auch den Tugenden und einem des
Glaubens würdigen Wandel nachzujagen. Denn die Tugend
ist (in den Augen von) jedermann auserkoren, besonders
derjenigen, deren Seelenschönheit nicht durch ein häfsliches
Leben der Begierden verderbt ist. Denn es giebt viele

25 Arten der Tugend. Denn auch Heiden, durch Irrtum er-
stickte und um den Verstand gekommene Verfasser von
Denkschriften, haben über die Tugend geschrieben; aber
sie haben nur diese scheinbare und unaufhörlich in Täu-
schungen verlaufende Natur in ihren Lehren beschrieben.

30 Gegen die Erfassung der "Wahrheit aber und gegen die
rechte Tugend wurden (ihre Augen) entweder durch die
Länge der Zeit abgestumpft, oder sie erblindeten durch
den Irrtum. Denn sie sagen in ihrer Lehre, dafs es vier
Arten der Tugend gebe, folgende nämlich: Gerechtigkeit,

35 Züchtigkeit, Weisheit und Mannhaftigkeit, die, wenn sie
auch für schön gehalten werden können, doch unten ver-
laufen und der Erde angehören. Denn sie sagen: Die
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