Zacharias <Gazaeus>  ; Mayer, Carl; Ahrens, Karl Wilhelm Christian   [Hrsg.]
Die sogenannte Kirchengeschichte des Zacharias Rhetor — Leipzig, 1899

Seite: 31
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II, 5. Brief des Proklos an die Armenier. *31

kam er, Gott das Wort, der ohne Anfang und ohne Ende
ist, unerforschlich und unsichtbar, ein Herrscher über alles,
Gott das Wort, und ward Leib. Denn er konnte werden,
was er wollte. Gott das Wort, der einer aus der Drei-

5 faltigkeit ist, wurde also Leib. Er wurde aber Leib, weil
er es wollte; und er wurde von der Jungfrau geboren,
der überall sein wollte1), und wurde in Wahrheit Mensch.
Denn nicht sagte der Evangelist, dafs er in einen voll-
ständigen Menschen eingegangen sei, sondern er sagte über

10 den Anfang seiner Natur, dafs er Fleisch wurde und zum
Anfange der Geburt eilte. Denn wie ein Mensch, der aul
natürliche Weise geboren wird, nicht sofort vollkommen
mit vollkommener Thätigkeit hervorkommt, sondern der
natürliche Same zuerst ein Leib wird und dann ganz all-

15 mählich in langer Zeit die Kraft der Empfindungen und
jeder Thätigkeit bekommt, so eilte auch Gott das Wort
zum Anfange und zur Wurzel der Geburt. Gott das Wort
wurde also vollkommener Mensch, ohne diese unveränder-
liche Natur durch das Wunder zu erniedrigen, welches er

20 that, und welches durchaus niemals (S. 107) in (jeman-
des) Sinn gekommen war, — sondern wir haben dies durch
den Glauben gelernt und keineswegs durch Nachforschen
erfafst.

Und indem er Mensch ward, schenkte er an seinem
25 Leibe dem ganzen Menschengeschlechte das Leben und
sühnte die Schuld der Sünde dadurch, dafs er als Mensch
für alle Menschen starb; als Gott, Hasser des Bösen, ver-
nichtete er aber den, der die böse Herrschaft des Todes
besafs, nämlich den Satan. Die Fähigkeit des Gesetzes
30 aber zeigte er dadurch, dafs er alle Gerechtigkeit erfüllte
und unserer Natur ihre frühere Schönheit gab; und da-
durch, dafs er Mensch wurde, ehrte er die Natur, die von
der Erde stammt, und zeigte, dafs er ihr Bildner sei.

Der Sohn also ist Einer. Denn die Dreifaltigkeit
35 verehren wir in einer Wesenheit und lassen ein Viertes
zu dieser Zahl nicht eintreten; aber der Sohn ist Einer,
der vom Vater ohne Anfang und ohne Ende geboren
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