Zacharias <Gazaeus>  ; Mayer, Carl; Ahrens, Karl Wilhelm Christian   [Hrsg.]
Die sogenannte Kirchengeschichte des Zacharias Rhetor — Leipzig, 1899

Seite: 32
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II, 5. Brief des Proklos an die Armenier.

wurde, durch den wir die Welten geschaffen glauben; er,
der aus dieser Wurzel ist, der ohne Ausflufs aus dem
Vater hervorleuchtete, Gott das Wort, der nicht durch
Auswanderung aus dem Vater hervorging und so bleibt,
wie er ist. Denn er wurde auch Mensch und erschien 5
auf Erden, aber wanderte nicht von dem aus, der ihn
zeugte. Gott das Wort wollte also dem das Leben geben,
den er geformt hatte, und nahm Wohnung im Mutter-
leibe, der da die allgemeine Thür jedes Wesens ist. Er
gab Leben, segnete den Mutterleib und erneuerte ihn 10
durch sein Hervorkommen; und durch seine übernatürliche
Geburt zeigte er von sich selber, dafs er in unaussprech-
licher Weise Leib geworden sei, denn es giebt weder unter
den oberen, noch unter den unteren (Geistern) solche, die
da wissen, wie er Leib geworden ist. Es war also nicht 15
Christus ein anderer, als Gott das Wort. Keineswegs!
Denn die göttliche Natur kennt nicht zwei Söhne. Als
Einiger ist er also geboren worden vom Einen; denn wo
keine eheliche Gemeinschaft der Eltern stattfindet, da ist
die Zweizahl der Kinder unmöglich. Nämlich „im Namen 20
Jesu Christi soll sich jedes Knie beugen1), das im Himmel,
und auf Erden, und unter der Erde ist." Denn wenn
Christus ein anderer wäre, und nicht eben Gott das Wort,
so müfste Christus notwendig (avdyKrf) einfacher Mensch
sein. Und wie würden die hohen Wesen der Himmlischen 25
(vor ihm) das Knie beugen (S. 108) und seinen Namen
anbeten, wenn nicht ebenderselbe Gott von Gott wäre?
Oder wie sollten wir die Worte der Propheten annehmen,
die da rufen2): „Gott ist auf Erden erschienen und hat mit
den Menschen verkehrt"? Mit Bezug auf seine Leib werdung so
nämlich sagt (die Schrift) „ist erschienen", und das Wort
„hat verkehrt" gab Nachricht von seinem Verkehre mit den
Menschen am Ende der Zeiten; denn eben darin zeigte er,
der in seiner Gröfse erhaben ist, seine Allmacht. Und als
Allmächtiger, dem alles leicht ist, blieb er, was er war, 35

1) Phil. 2,10.

2) Vgl. Bar. 3, 37 (38).
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