Zacharias <Gazaeus>  ; Mayer, Carl; Ahrens, Karl Wilhelm Christian   [Hrsg.]
Die sogenannte Kirchengeschichte des Zacharias Rhetor — Leipzig, 1899

Seite: 30
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IV, 6. Bittschrift des Timotheos Ailuros.

aber der erlauchte Diomedes, der Silentiarius, zu mir kam
und mir den Brief des Bischofs von Rom gab, prüfte ich
ihn, und sein Inhalt gefiel mir nicht; damit aber die
Kirche nicht beunruhigt werde, o Christusliebender, las
ich ihn in ihrer1) Gegenwart nicht vor, noch tadelte ich 5
ihn; ich glaube aber, dafs Gott Deiner Gnaden in den
Sinn gegeben hat, dafs dasjenige verbessert werde, was
in diesem Briefe den Gläubigen Anstofs erregt, da es folgt,
beistimmt und verwandt ist der Lehre des Nestorios, welcher
verurteilt wurde, weil er die Leibwerdung unseres Herrn io
Jesu Christi in Naturen, Personen, Eigenschaften, Namen
und Wirksamkeiten zerspaltete und teilte und die Worte
der Schrift von Zweien erklärte, was in dem Glaubens-
bekenntnis der 318 nicht enthalten ist. Denn sie predigten
den einigen Sohn Gottes, der seinem Vater wesensgleich 15
ist, der herabkam, Fleisch und Mensch wurde und litt,
auferstand und gen Himmel fuhr und kommt, zu richten
die Lebendigen und die Toten. Und sie haben darin nichts
erwähnt von Naturen, Personen und Eigenschaften, und
haben nicht geteilt, sondern sie haben bekannt, dafs Gött- 20
liches und Menschliches durch die Oekonomie Einem an-
gehören. Daher stimme ich dem, was in Chalkedon ab-
gemacht wurde, nicht bei, da ich darin Teilung und
Spaltung in der Oekonomie gefunden habe.

Und nun, 0 siegreicher Kaiser, nimm mich auf, der 25
ich für die Wahrheit vertrauensvoll dieses rede, damit es
Deiner Herrschaft wohl ergehe, wie auf Erden, so auch im
Himmel, und nimm diese meine Bitte friedfertig an, da in
jenem Briefe aus dem Westen, der die Oekonomie zer-
spaltet, Beunruhigung des Anstofses strömt. Und ich 30
bitte, dafs er für nichtig erklärt werden möge, damit von
allen Zungen Christus schriftgemäfs als Gott bekannt werde,
der in Wahrheit im Fleische litt und in seiner Gottheit
leidenslos blieb, die ihm gehört mit dem Vater und dem
Geiste. Ich nun bitte und flehe Dein ehrwürdiges Haupt 35

1) D. h. in Gegenwart der Überbringer?
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