Zacharias <Gazaeus>  ; Mayer, Carl; Ahrens, Karl Wilhelm Christian   [Hrsg.]
Die sogenannte Kirchengeschichte des Zacharias Rhetor — Leipzig, 1899

Seite: 34
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34 IV, 9. Verbannung des Timotheos Ailuros.

erstens, damit sie selber erhalten blieben, und zweitens,
damit sie nicht die Ursache würden für den Untergang
von Menschen und für Morde. Während also Timotheos
am Becken des Baptisteriums Zuflucht suchte, ehrten die
Kleriker von der Partei des Proterios weder die Priester-
würde, die Keuschheit, das Alter, die Kasteiung und die
Werke des Mannes, noch auch den Ort, an dem er Zu-
flucht gesucht hatte, sondern schleppten den Oberpriester
mit (militärischer) Macht vom Becken weg und schleiften
ihn fort. Als dies dem Volke (SrjpLog) bekannt wurde,
fanden dort mehr als zehntausend Morde statt, um ihnen
den Priester zu entreifsen; aber nachdem die Römer viele
Alexandriner gemordet hatten, wurde der Mann über
Aegypten nach Palaestina hinausgeführt, und fuhr auf dem
phönizischen Meere. Als aber die Städte Palaestinas und
der Meeresküste (^jtaQalog) samt ihren Bewohnern es er-
fuhren, da kamen sie herzu, um sich heiligen zu lassen
und damit die Kranken unter ihnen Heilung ihrer Schmerzen
gewönnen durch die Gnade Gottes, die dem Manne an-
haftete, und rissen seine Gewänder, um Lappen und Fetzen
davon als Schutzmittel zu erhalten. Als er nach Berytos
kam, (S. 145) da ermahnte der Bischof Eustath die Be-
wohner jener Stadt im Glauben, und bat ihn, in die Stadt
einzutreten und für dieselbe zu beten. Da trat er mitten
in die Stadt, flehte und betete zu Gott für sie und segnete
sie. Euxen aber ferner, der Bruder des Eustath, der
damals Gesetzesausleger war, verweilte auf den Rat seines
Bruders die ganze Nacht bei ihm, indem er sachgemäfs über
den Glauben und gegen Nestorios redete. Zu alledem schwieg
Timotheos und hörte darauf, und als Euxen erst nach vielen
Worten stillschwieg, sprach Timotheos zu ihm: „Wer über-
redet mich, dafs diese drei Finger das Papier (%dQrrjg) von
Chalkedon unterschreiben sollten?" Als Euxen das hörte,
ward er betrübt und weinte. Indem dann Timotheos ihn
und seinen Bruder Eustath, der zuletzt dazu gekommen war1),

1) Lies aoi/. Hffm.
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