Zacharias <Gazaeus>  ; Mayer, Carl; Ahrens, Karl Wilhelm Christian   [Hrsg.]
Die sogenannte Kirchengeschichte des Zacharias Rhetor — Leipzig, 1899

Seite: 50
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50 IV, 12. Brief d. Tim. Ail. über Isaias u. Theophilos.

da er sagt1): „Samen Abrahams nahm er". — Von eben-
demselben. — Wir sagen, dafs er der Leib des Wortes,
nnd nicht der eines anderen Menschen war, individuell ver-
schieden, so dafs denkbar wäre, der Sohn sei nicht Christus.
Und wie der Körper eines jeden von uns sein eigener 5
genannt wird, so denken wir auch einen einzigen Christus,
und wenn er auch seinen Leib aus unserem Geschlechte
und unserer Natur nahm, da er von der Jungfrau geboren
wurde, so wird der Leib doch als der seine gedacht und
so genannt. Und da Gott das Wort seiner Natur nach io
das Leben ist, so zeigte er seinen Leib als lebenweckend,
und darum ward er für uns ein alles belebender Segen.
Wenn es nicht so wäre, wie wäre er uns gleich? Wenn-
gleich er blieb, wie er ist, Gott das Wort, so gieb ihm
doch in der Vereinigung der unzerteilbaren Person seinen 15
Leib und entkleide ihn nicht seines Fleisches. So bete ich
mit Eecht einen Sohn an, dem Vater zwar wesensgleich
auf göttliche Weise, ebenfalls aber uns wesensgleich (als)
Mensch; und die, welche es lieben, diese Meinung zu hegen,
deren Erkenntnis erleuchtet Christus und macht sie hell2) 20
durch seine Geheimnisse. — Von ebendemselben. —
Es ist aber recht für uns, zu sagen und zu meinen, dafs
Gott das Wort gesandt wurde und uns wesensgleich Mensch
wurde, aber Gott dem Vater wesensgleich blieb; er ist
und blieb, wie er ist; und obwohl er Mensch ward, ver- 25
änderte er sich nicht und wurde gesandt, „um den Gefangenen
die Erlösung zu predigen und den Blinden das Licht." —
Von ebendemselben aus dem Briefe (S. 159) an
Sukensös (Succensus). Einige sagen: „Wenn Christus
vollkommener Gott und vollkommener Mensch war und 3»
ebenderselbe als dem Vater wesensgleich in der Gottheit
gedacht wird, in der Menschheit aber uns wesensgleich,
wie ist er vollkommen, wenn seine menschliche Natur
nicht zu Tage tritt, und wie ist er uns wesensgleich, wenn
eben diese unsere Natur nicht zu Tage tritt?" Es genügt 35

1) Hebr. 2, 16. 2) So zu lesen (io)ia).
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