Zacharias <Gazaeus>  ; Mayer, Carl; Ahrens, Karl Wilhelm Christian   [Hrsg.]
Die sogenannte Kirchengeschichte des Zacharias Rhetor — Leipzig, 1899

Seite: 53
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1Y, 12. Zweiter Brief des Timotheos Ailuros.

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hinwies, dafs auch heilige Männer gesündigt und den Herrn
verleugnet, zuletzt aber bereut haben, und dafs Gott ihre
Reue angenommen und sie ihres früheren Amtes1) ge-
würdigt hat, nämlich den David, den Petros und den
5 Paulos. Dergleichen schrieben wir an sie, dafs, wenn sie
bereuten und den Leib Christi als uns wesensgleich be-
kennten, wir in der Liebe und Zuneigung gegen sie (S. 161)
verharren und sie in der Ehre ihres Standes (teerig) be-
halten würden. Aber sie liebten uns nicht, sondern ver-

10 schmähten uns. Wieder wartete ich auf sie vier Jahre
und entlarvte sie nicht mit Namennennung. Sie aber
verharrten im Ungehorsam, bereuten nicht und nahmen
weder die Lehre unserer heiligen Väter, noch uns an,
sondern hingen haeretischen Leuten an, die offen sagen,

15 dafs unser Herr keinen menschlichen Leib angenommen
habe und nicht zu uns gehöre als vollkommener Mensch;
sie schlichen sich in die Häuser ein, ergriffen von Begierde
nach Geld und Wohlleben (?) 2), das von ihnen für ihren
Gott gehalten wurde, während sie sich in der Residenz

20 aufhielten3). Da schrieben wir an sie, sie sollten von
dort weggehen, aber sie wollten nicht, verführten ein-
fältige Leute und streuten andere Gerüchte über uns aus,
um uns ein Böses über das andere zuzufügen. Und indem
ich über sie betrübt bin und es mir um sie leid thut,

25 bin ich genötigt, sie mit Namen bekannt zu machen,
damit sie nicht schweigen (?) und viele verführen. So
mache ich bekannt, dafs es Isaias und Theophilos sind,
die vom Leibe unseres Herrn sagen, dafs er ihm selbst,
nicht aber uns wesensgleich sei, und dafs er nicht in

30 Wahrheit Mensch geworden sei. (Damit) haben sie sich
selbst der Gemeinschaft mit den heiligen Vätern und mit
uns entfremdet. Niemand möge mit ihnen verkehren, da
der Evangelist Joannes befiehlt und spricht4): „Meine
Brüder, glaubet nicht allen Geistern, sondern prüfet die

1) So ist zu lesen (»oop^QJi). 2) Unsicher, wie zu lesen.
3) So zu lesen (^jo). 4) Vgl. 1. Joh. 4, 1—3.
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