Zacharias <Gazaeus>  ; Mayer, Carl; Ahrens, Karl Wilhelm Christian   [Hrsg.]
Die sogenannte Kirchengeschichte des Zacharias Rhetor — Leipzig, 1899

Seite: 101
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VII, 1. Euphemios von Konstantinopel.

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ein- oder zweimal ein Gesicht gesehen, dafs der Silentiarius
Anastas Kaiser werde. Da rief er ihn und sprach zu
ihm: „Wegen der Festigkeit, der Vorzüge und Trefflichkeit
deiner Seele, weil du dem guten Willen Gottes beistimmen,
5 friedliebend, gütig, herablassend und redlich sein und
jedermann dich ruhig und freundlich zeigen wirst, offen-
bare ich dir zum Heile aller Menschen, deiner Angehörigen,
nicht aber, weil ich deiner bedarf oder (dir) sclimeichle,
dafs du Kaiser werden wirst, und zwar sofort." Weil

10 nun jener Joannes berühmt, wegen seiner Sitten geehrt
und auch vielen wegen seiner Beredsamkeit bekannt war,
so glaubte Anastas ihm, hielt es für wahr und war dort
während der Festvigilie beständig bei ihm. Es begab
sich aber, als er Kaiser geworden war und durch Dank-

15 geschenke mit Dingen, die unter den Menschen begehrens-
wert erscheinen, seine Liebe vergelten wollte: (S. 202)
da nahm jener Joannes durchaus nichts von ihm an,
sondern verliefs sofort die Stadt und begab sich in sein
Land, zufrieden mit den Papieren (yuQxai), die ihm Zenon

20 aufgesetzt hatte; nur, damit jene angenommen würden,
nahm er eine Antwort des Anastas mit.

Euphemios aber, der dortige Bischof, der dem Petros
von Alexandrien gedroht hatte, weil dieser offen eine Ant-
wort an Fravitas, den Vorgänger des Euphemios, ge-

25 schrieben und in seinem durch Kleriker, den Presbyter
Longinos und den Diakonen Andreas übersandten Synodal-
schreiben die Synode von Chalkedon und den Tomos ver-
flucht hatte, er werde dessen Absetzung (nci&aLoEßig) be-
wirken, dieser Euphemios war damals durch den Rat des

30 Archelaos, Bischofs von Kaisareia, eines verständigen
Mannes, der sich dort befand, daran gehindert worden.
Weil Petros gestorben war, so hegte Euphemios denselben
Groll gegen Athanasios, der nach jenem Bischof von
Alexandrien ward, und der noch offener und von Amts-

35 wegen die Synode und den Tomos verfluchte. So rüstete
sieh Euphemios gegen ihn, ihn abzusetzen, und rief sich
den Felix von Born zur Hülfe. Als aber die Umtriebe
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