Zacharias <Gazaeus>  ; Mayer, Carl; Ahrens, Karl Wilhelm Christian   [Hrsg.]
Die sogenannte Kirchengeschichte des Zacharias Rhetor — Leipzig, 1899

Seite: 140
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140 VIII, 1. Regierungsantritt des Justinos.

Tode des Anastas Justinos sein Nachfolger. Er war ein
alter Mann von schönem Aussehen, in weifsen (Haaren),
ein Palastverwalter (KovQOTtaXdrrjg)^ war aber nicht gelehrt.
Diesen malte der Apameer Marinos, ein weiser Mann,
welcher Archivar {'jUQXovluQioq)1) war, wie er von Kastra s
Bederiana in Illyrikon nach Konstantinopel kam, im Re-
gierungsgebäude (? drj{i6ciov) nach der ganzen Geschichte
seines Einzuges in Konstantinopel, und wie er von Stufe
zu Stufe stieg, bis er Kaiser wurde. Als jener Marinos
darüber getadelt wurde und in Gefahr (xwdvvog) geriet, 10
da gab er bereitwillig, auf seine Klugheit vertrauend, die
Antwort: „Ich habe dieses in Bildern zur Belehrung der
Beschauer und zur Verständigung der Einsichtigen darge-
stellt, damit die Hochgestellten, Reichen und Vornehmen
nicht auf ihr Amt, ihren Reichtum oder das Alter ihres is
angesehenen Adels vertrauen, sondern auf Gott, der den
Elenden aus dem Kote erhebt2) und ihn zum Haupte über
das Volk und zum Herrscher im Reiche der Menschen
macht, welches er geben wird, wem er will, und über
welches er den unter den Menschen Niedrigen stellen wird; 20
der die auswählt3), deren Adel in der Welt gering ist,
und die Verachteten und die, welche nichts sind, um die
zu beseitigen, die etwas sind." (Diese Worte) wurden an-
genommen und (er) aus der Gefahr gerettet.

Der Präpositos Amantios aber war voll Zuneigung 25
und Liebe gegen seinen Domestikos Theokritos, sowie
auch der Kubikularios Andreas, sein Gefährte; er gab jenem
alten Palastverwalter (novQOitcdavrjg) Justinos nach dem
Tode des Anastas viel Gold, damit er der Palastwache
(öypXäqioi) und den übrigen Soldaten eine aufserordentliche 30
Löhnung ((joycc) mache, damit sie den Theokritos zum
Kaiser machten. Als er ihnen aber das Gold gab, gefiel
er ihnen, und sie machten ihn zum Kaiser, wie aus irgend
einem Grunde der Herr es wollte. Weil er ein Gesinnungs-
genosse der Bewohner von Rom war, befahl er eigen- 35

1) So zu lesen. 2) Vgl. Ps. 113, 7. 3) Vgl. 1. Cor. 1, 28.
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