Zacharias <Gazaeus>  ; Mayer, Carl; Ahrens, Karl Wilhelm Christian   [Hrsg.]
Die sogenannte Kirchengeschichte des Zacharias Rhetor — Leipzig, 1899

Seite: 144
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144 VIII, 3. Die himj arischen Märtyrer.

sprechungen, und ihre Anführer gingen zu mir hinaus.
Ich aber beschlofs, den Christen, meinen Feinden, mein
Wort nicht zu halten, ergriff sie und forderte, dafs sie
ihr Gold, ihr Silber und ihr Vieh mir brächten. Sie
brachten es mir, und ich nahm es und verlangte ihren 5
Bischof Paule; als sie mir sagten, dafs er gestorben sei,
glaubte ich ihnen nicht, bis sie mir sein Grab zeigten.
Da liefs ich seine Gebeine heraufholen und verbrannte
diese, sowie ihre Kirche, ihre Priester und alles, was sich
Zuflucht suchend in derselben befand. Die übrigen zwang io
ich, Christus und das Kreuz zu verleugnen und Juden zu
werden, aber sie wollten nicht, sondern bekannten von
ihm, dafs er Gott und Sohn des Gesegneten sei, und
zogen es vor, für ihn zu sterben. Ihr Oberhaupt redete
vieles gegen mich und höhnte uns; da befahl ich, dafs 15
alle ihre Vornehmen getötet würden. Dann liefsen wir
ihre Weiber kommen und sagten ihnen, sie sollten (Christus)
verleugnen, da sie die Tötung ihrer Männer um Christi
willen sähen, und sollten ihrer Söhne und Töchter schonen.
Und wir zwangen sie; sie aber wollten nicht, sondern 20
einige geweihte Jungfrauen drängten sich herzu, um zuerst
getötet zu werden. Da schalten die Weiber der Vornehmen
sie und sprachen1): „Uns kam es zu, nach unseren Männern
zu sterben." Da wurden auf unseren Befehl alle getötet,
aufser der Rhümi2), der Gattin dessen, der dort König 25
werden sollte, welche wir nicht sterben liefsen. Sondern
wir forderten vielmehr von ihr, dafs sie Christus verleugne
und lebe, indem sie ihrer Töchter schone und alle ihre
Habe gewinne, wenn sie Jüdin werde. Wir befahlen ihr,
zu gehen und sich zu beraten, indem sich ihr Wächter so
von unserem Heere anschlössen. Sie ging weg und durch-
wanderte unverhüllten Hauptes die Strafsen und Plätze
(nXarstai) der Stadt, eine Frau, deren Person3), seit sie
mannbar geworden war (S. 237), niemand auf der Strafse

1) So ist zu lesen; Guidi j, 3. Mai 349a. 2) Bei Guidi
Daumä, S. 25,A.nm. 3. 3) Bei Guidi j, 15 „Antlitz".
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