Zacharias <Gazaeus>  ; Mayer, Carl; Ahrens, Karl Wilhelm Christian   [Hrsg.]
Die sogenannte Kirchengeschichte des Zacharias Rhetor — Leipzig, 1899

Seite: 181
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/ahrens1899/0275
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
IX, 12. Zweiter Brief des Julianos an Severos. 181

deswegen verteidigte. Aber lafst euch zu mir herab und
schreibt mir, was die Väter, Theodosios, Kyrillos (S. 266)
und andere, gesagt haben, was ich zu wissen wünsche,
sowie euren Wunsch. Ich aber meine1), dals ich der
5 Fahne der Väter gefolgt bin, die nichts sich selber oder
einander Entgegenstehendes haben, so dafs Paulos, der da
sagt2): „Nicht aus den Werken, sondern aus dem Glauben"
kommt die Erlösung, nicht dem Jakobos (widerspricht),
welcher sagt3): „Der Glaube ohne Werke ist tot." Nicht

io im Widerspruch mit einander sagten sie dies, sondern
(einander) beistimmend. Bete aber, dafs wir von Gott
erleuchtet werden und nicht in Leidenschaft unseren Willen
durchsetzen, indem du uns in Kürze das Wort erläuterst.
Der heilige Kyrillos schreibt: „Es ist nicht leicht für uns

i5 zu sagen, dafs jemals Verwesung dasjenige Fleisch er-
greifen könne, welches mit dem Worte vereinigt ist"; und
fünf Zeilen weiter: „Staunenerregend und wunderbar ist
ein zur Verwesung geschaffener Leib, welcher aufgefahren
ist." Welches ist der Sinn, den er zeigt, ohne dafs ein

20 Widerspruch mit sich selber darin (enthalten ist), wenn
er damit nicht die gemeinsame natürliche Verwesung ge-
meint hat? Denn er nahm unsere Krankheit freiwillig
auf sich und nicht durch Naturnotwendigkeit, und „trug4)
mit seinem Leibe unsere Sünden auf das Holz hinauf",

25 indem er für unsere Sünde starb."

Ferner das dreizehnte Kapitel, Erwiderung (avxi-
ygacpr]) des Severos auf diesen Brief des Julianos an ihn.
— „Etwas sehr Fremdartiges scheint mir die Gottesliebe
in dir ausgesprochen zu haben, dafs sie in grofsem Kummer

30 gewesen sei, als sie das empfing, was ich aus schwachem
Gedächtnisse geschrieben hatte, während ich zu nichts
anderem deine Frage behandelte, als um dich von Sorge
und Unruhe frei zu machen. Denn wenn du mir eine
kleine Frage und Untersuchung gesandt hättest, so hätte

1) Z. 4—11 bei Mai 356b. 2) Vgl. Gal. 2, 16.
3) Jac. 2, 26. 4) Vgl. 1. Petri 2, 24.
loading ...