Zacharias <Gazaeus>  ; Mayer, Carl; Ahrens, Karl Wilhelm Christian   [Hrsg.]
Die sogenannte Kirchengeschichte des Zacharias Rhetor — Leipzig, 1899

Seite: 186
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186 IX, 13. Zweiter Brief des Severos an Julianos.

durch die Beschneidung ihres Fleisches etwas vor den
Unbeschnittenen voraus haben würden. Er schreibt, in-
dem er sie tadelt und sagt1): „In Jesu Christo nützt
weder Beschneidung noch Unbeschnittenheit etwas, sondern
der Glaube, der in Liebe gewirkt wird." Also auch hieraus
geht hervor, dafs der Glaube (S. 270) nach der Taufe
nützt und erlöst, der mit Liebe folgt, und mit dem das
Liebeswerk verknüpft ist. Derselbe Paulos wiederum2)
sagt: „Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe
eifert oder erregt sich nicht, noch ist sie stolz, noch schämt
sie sich, sie sucht nicht das Ihre und wird nicht hitzig;
nicht sinnt sie Böses, noch freut sie sich über Unrecht,
freut sich aber über die Wahrheit; und sie hofft alles und
nimmt alles an. Die Liebe fällt niemals hin." Dies möge
zur Berichtigung des Wirkens, der Arbeit und des Schweifses
vieler nützen, und sie mögen erlöst werden, indem sie
dem Glauben beistimmen. Wer aber erfrecht sich, zu
tadeln, dafs hierüber auch unser Herr gesagt hat3):
„Wenn ihr mich liebt, so haltet meine Gebote?"

Wie uns also auf gleiche Weise die heiligen Schrif-
ten und unsere Väter belehrt haben, so haben sie auch
in dieser Frage übereinstimmend diejenigen belehrt, welche
nicht nachlässig lesen; wie in Bezug darauf geschrieben
steht: „Verständige belehre über alles, und weise diejenigen
zurecht, welche erkennen können." Dies ist es, was ich
deiner Liebe besonnen, wie es Christen gebührt, zu senden
bemüht war. Da ich aber aus vielen Orten erfahren habe,
(von wo) man mir geschrieben hat, dafs du das von dir
verfafste Buch (ro^og) nicht nur in der grofsen Stadt
Alexandrien herausgegeben, sondern überallhin gesandt
hast, so habe ich in Liebe, indem ich Christo Gotte, dem
Gesetzgeber, beistimme, wie ich überzeugt bin, anderer-
seits unserem Bruder, dem Presbyter Thomas geschrieben,
dafs er mein Schreiben nicht herausgebe, sondern bei sich
behalte, weil ich hoffte, dafs infolge des Bates von Zweien '

1) Gal. 5, 6. 2) 1. Cor. 13, 4—8. 3) Jon. 14, 15.
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