Zacharias <Gazaeus>  ; Mayer, Carl; Ahrens, Karl Wilhelm Christian   [Hrsg.]
Die sogenannte Kirchengeschichte des Zacharias Rhetor — Leipzig, 1899

Seite: 187
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IX, 13. Zweiter Brief des Severos an Julianos. 187

meine und deiner Heiligkeit (Meinungen) wie aus einem
Munde und einer Seele bekannt würden. Denn auf diese
Weise habe ich die Lehre der der Erinnerung werten
Bischöfe Axenaja und Eleusinos (?) und die betrachtenden
(iv <QiE(OQiü!) Schriften, die sie über den Glauben verfafst
haben, einmal und zweimal geprüft und habe in ihnen
nichts Thörichtes gefunden: nämlich was wir mit einander
in Liebe disputierend verhandelt hatten, indem wir mit
Hülfe unseres Herrn übereinstimmend eines Sinnes waren.
Denn niemals habe ich, um vor den Menschen über das
Mafs meiner Schwachheit hinaus zu scheinen und zu ge-
fallen, ein Buch oder eine Abhandlung (S. 271) erscheinen
lassen, sondern zur Berichtigung des Evangeliums gemäfs
der Lehre und der Gesetzgebung der Apostel. Jedoch
frommt es in dieser Zeit auch nicht, dafs wir den Kampf
gegen die Häretiker verlassen und gegen einander
streiten und schreiben, damit nicht auf uns das Wort
des Apostels passe, der da sprach1): „Wenn ihr einander
beifst und frefst, so sehet zu, dafs ihr nicht von einander
aufgezehrt werdet." Vor derartigen Zänkereien müssen
die fliehen, welche den Herrn aus aller Kraft lieben, und
müssen einander lieben, damit der Eriede sich wieder reich-
lich auf das Israel Gottes wende. Grüfse die Bruder-
schaft bei dir; die, welche bei mir ist, verneigt sich vor
dir im Herrn."

Als Julianos auch diesen Brief von jenem beredten
Severos erhielt, ward er sehr erregt, geriet in Zorn und
schrieb, indem er sagte, ein Jahr und Monat sei (jener)
von ihm abgesetzt, habe kein Verständnis für seine (eigene)
Würde gehabt und habe eine Antwort erhalten. Darauf
schrieb Severos seinerseits eine grofse Abhandlung, über-
reich an Beweisen aus den wahrhaften Lehrern der
heiligen Kirche, die da sagen, dafs der Leib Christi, den
er von uns nahm, bis zur Auferstehung für unverschuldete
Leiden, ohne Sünde, empfänglich war. Aus diesem Grunde,

1) Gal. 5, 15.
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