Zacharias <Gazaeus>  ; Mayer, Carl; Ahrens, Karl Wilhelm Christian   [Hrsg.]
Die sogenannte Kirchengeschichte des Zacharias Rhetor — Leipzig, 1899

Seite: 190
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190 IX, 15. Brief der Bischöfe an den Kaiser.

Veranlassung nehmen, um betreffs deiner Gnadenerweisungen
an ihnen ein Wort zu schreiben; wir aber, die wir deiner
Tugenden gewürdigt worden sind, danken dir in glänzen-
der Weise mit dem Kranze des Lobpreises, den wir flech-
ten. Da wir in der Wüste waren und sozusagen am Ende 5
der bewohnten Welt lange Zeit in der Stille verweilten,
zu Gott, dem Gütigen und Barmherzigen, während solcher
Zeit für deine Majestät und für unsere Sünden flehend:
da hat deine Milde sich zu unserer Schwäche herabgelassen
und durch ihr glaubwürdiges Schreiben uns zu sich ge- io
rufen. Eine wunderbare Sache ist es für uns, dafs (deine
Milde) nicht unsere Bitte abwartend sie angenommen hat,
sondern aus der ihr angeborenen Menschenfreundlichkeit
Mitleid mit uns hatte, die wir allerdings in Leiden sind,
sobald ein Anlafs bewirkte, dafs dieser oder jener für uns 15
bat. Wir aber verliefsen sofort die Wüste, da es uns
zukommt zu gehorchen, wenn uns befohlen wird, und in-
dem wir friedsam still unseres Weges gewandelt sind,
und ohne dafs unsere Stimme gehört wurde, sind wir zu
deinen Füi'sen angelangt und bitten zu Gott, dem Gaben- 20
reichen, dafs er an unserer Statt deiner Durchlaucht und
der gottliebenden Kaiserin mit guten Geschenken von oben
vergelten möge, euch Frieden und Heil gewähre und jedes
aufrührerische Volk als Schemel unter eure Füfse lege.
Nun wir jedoch angelangt sind, geben wir eurer Fried- 25
fertigkeit eine Darlegung unseres wahren Glaubens, in-
dem wir nicht wünschen, dafs unsere Bede in etwas Un-
nützem sich an jemand richte, wie geschrieben steht1),
damit wir nicht euren Ohren lästig fallen. Denn sehr
schwierig ist es, dafs jemand streitsüchtige Charaktere 30
überzeuge, wie sehr er auch die Wahrheit aufleuchten
lasse. Deswegen, wie (die Schrift?) sagt, weigern2) wir
die Disputation mit Streitsüchtigen, die keine Lehrmeister
annehmen. Denn damals sprach der Apostel3): „Eine
solche Gewohnheit haben wir nicht, noch die Kirche Gottes." 35

1) Vgl. Ps. 12, 3? 2) Lies ^/aa». Nid. 3) 1. Cor. 11, 16.
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