Zacharias <Gazaeus>  ; Mayer, Carl; Ahrens, Karl Wilhelm Christian   [Hrsg.]
Die sogenannte Kirchengeschichte des Zacharias Rhetor — Leipzig, 1899

Seite: 203
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IX, 16. Brief des Severos an den Kaiser. 203

hier abzuschreiben, da es in vielen Schriften enthalten ist,
die der heilige Severos gegen Julianos verfafste.

Zuletzt aber schreibt er in demselben Briefe, indem
er also sagt: „Also bitte ich und fasse eure Füfse, indem
5 ich noch einmal das Wort wiederhole, ihr möchtet von
meiner Wenigkeit ablassen und mich nicht wieder unter
die Menschen bringen, der ich an Leib und Seele ge-
schwächt und fürder kraftlos bin, da das Wort der Schrift
wahr ist, das da sagt: „Die Seele fällt nieder unter

io den Stöfsen." Jetzt sind viele weifse Haare auf meinem
Haupte, die mir Zeugnis ablegen vom Tode und vom Ab-
scheiden dieses ermatteten Lebens, und dafs es mir sehr
gut und segensreich erscheint, verborgen im Winkel [yavia)
zu sitzen und in meinem Geiste die Trennung der Seele

15 vom Leibe zu erwägen, indem ich mein Grab als Haus
erwarte. Denn „das Haus jedes Sterbenden ist die Erde",
wie Hiob gesagt hat.1) Denn bei den übrigen Tieren,
die auf der Erde leben, verändert sich ihr Haar nicht,
bei dem Tiere aber, welches der vernünftige Mensch ist,

so wird, wenn er nahe davor ist, ins Gericht zu kommen und
in der zukünftigen Welt für seine Werke bestraft zu
werden (S. 285), sobald er ins Greisenalter kommt, das
Haar seines Hauptes weifs, indem dieses Aussehen ihm
predigt und ihn betreffs seiner Werke anspornt, die er

25 bei seinem Fortgange bereit zu halten gesäumt hat. Auch
die Schrift bezeugt ihm2): „Hebe deine Augen auf und
sieh die Äcker an, die weifs geworden und zur Ernte fort-
geschritten sind." Denn eine Ernte ist in Wahrheit die
Trennung der Seele vom Leibe, und wie mit einer Sichel

30 schert er jene von ihm und beraubt (ihn ihrer). Darum
flehe ich, eure Majestät möge mir dieses zwar gewähren.
Es ist mir leicht, verborgen zu weilen, wo ich bin, weil
ich meine übrigen Tage in der Welt wie in einem Winkel
versteckt lebte; denn so ist das Leben eines Mönches.

35 Christus, Gott über alles, gebe euch Herrschaft über eure

1) Hi. 30, 23 (LXX). 2) Vgl. Job. 4, 35.
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