Zacharias <Gazaeus>  ; Mayer, Carl; Ahrens, Karl Wilhelm Christian   [Hrsg.]
Die sogenannte Kirchengeschichte des Zacharias Rhetor — Leipzig, 1899

Seite: 229
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IX, 25. Brief des Anthimos an Theodosios. 229

der Bischofswürde (erinnere): so werde ich von Furcht
und Zittern ergriffen. Wenn ich daneben die Unruhe be-
trachte, die in den heiligen Kirchen von denen vermehrt
wird, die nicht richtiger Ansicht sind, indem sie die Gottes-

5 furcht für ein zeitliches Geschäft halten, Frevel reden gegen
den Himmel über ihrem Haupte und Gott das Wort hal-
bieren, der ohne Veränderung Fleisch ward und vollständig
Mensch ward: so werde ich von Weinen und Seufzen
erfafst und traure über mich, der ich nichts besitze1), als

io die Hoffnung auf Gott, die mich tröstet wie gesagt ist2):
„Haltet euch an die früheren Geschlechter und sehet zu,
wer an den Herrn geglaubt hat und zu Schanden geworden
ist, oder wer in seiner Furcht ausgeharrt hat und verlassen
ist, und (wer) ihn angerufen, von dem aber (der Herr)

15 sich abgewandt hat. Denn barmherzig und mitleidig ist
der Herr, vergiebt die Sünden und erlöst zur Zeit der
Not." Meine ganze Hoffnung also und meine Sorge3)
habe ich auf ihn gesetzt, dafs der unsere Angelegenheiten
sehen und hören wird, der die Augen gemacht und die

20 Ohren gepflanzt hat, dafs er selber über den Aufruhr derer
schelten wird, welche die richtigen Wege verdrehen, und
als ein wahrer Hirte, der sein Leben eingesetzt hat, seine
Schafe rufen wird; — denn er hat gesagt4): „Meniand
reifst sie aus meiner Hand" —; der selber eure Heiligkeit

25 ausgerüstet hat, an der Spitze des Volkes des grofsen
Alexandrien zu stehen, und euch für die Ruder der Kirche
bestätigt hat, nicht bei Windstille, sondern im Getümmel
der Stürme, auf dafs ihr das Schiff auf den Wellen in die
Ruhe des Hafens Christi, unseres Gottes, und des heiligen

30 und anzubetenden Geistes leitet, und zwar mit den Gebeten
eurer heiligen Väter, der früheren Leiter, wie ihr betraut
seid, an der Spitze eines Volkes zu stehen, welches nach
der Lehre der Väter wandelt und in Werk und Wort bis
zum Tode (S. 308) für seinen Hirten streitet. Indem wir

1) Wahrscheinlich \xo zu lesen. Hffm. 2) Sir. 2, 10ff.
3) Lies ^kjvco. Nid. 4) Joh. 10, 28.
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