Zacharias <Gazaeus>  ; Mayer, Carl; Ahrens, Karl Wilhelm Christian   [Hrsg.]
Die sogenannte Kirchengeschichte des Zacharias Rhetor — Leipzig, 1899

Seite: 259
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Anhang I. Theodosios und Romanos.

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Als er hinaufkam, war (der Kaiser) zuerst zwar be-
müht, durch Verlockungen seinen Eifer zu schwächen und
ihn zu überreden, der gottlosen Synode von Chalkedon bei-
zustimmen, indem er ihm Liebe, Freundschaft und viele
5 Unterstützungen versprach. Da er ihn aber unerbittlich,
unbeugsam und unveränderlich, zu Qualen aller Art und
zum Aushalten bereit sah, da überlieferte er ihn dem
Archimandriten des Klosters, welches das des Dios heifst,
einem Eiferer für die schändliche Meinung des Nestorios

io und Vorkämpfer für die Synode von Chalkedon, der dem
Kaiser versprach, ihn dahin zu bringen, dafs er seiner
Ruchlosigkeit beistimme; und wenn er nicht wolle, so
werde er ihn durch allerlei Quälerei, Hinterlist und Zwang
zu nichte machen. Als er ihn in Empfang nahm, be-

15 handelte er ihn anfangs zwar mit grofser Ehrerbietung
und Milde, indem er ihn berückte, damit er dem Kaiser ge-
horche und mit der gottlosen Synode Gemeinschaft habe,
(und so) bald (S. 343) lockte und versprach, bald drohte.
Da er sich aber in seiner Hoffnung täuschte und der selige

20 Theodosios den Eifer für den rechten Glauben zeugen-
haft festhielt, so setzte er ihn zur Winterszeit in einer
engen Zelle gefangen, die voll von Kalk war, und schlug jenen
am ganzen Körper mit Qual und Folter, sodafs er am ganzen
Leibe und seinen Füfsen, sowie am Magen (ffTOfta^og) er-

25 krankte, von bitteren Schmerzen bedrückt und von
Hunger, Durst und Frost ergriffen wurde, ohne dafs einem
seiner Bekannten gestattet ward, ihn zu besuchen. In
dieser Zeit aber begab es sich, dafs Markianos starb, da
der Herr ihn schlug, und als .die, welche ihn gefangen

30 hielten, sahen, dafs jener Bekenner, der Bischof Theodosios,
in den letzten Zügen liege und dicht vor dem Sterben
sei, meldeten sie seine Angelegenheit dem Leon, der dann
Kaiser geworden war. Und als er es erlaubte, liefsen sie
zu, dafs seine Anhänger ihn wegnähmen. Die aber

35 nahmen ihn und brachten ihn nach Sykai, und nachdem
er einige Tage gelebt hatte, befiel ihn grofse Schwäche.
So ward er vollendet, indem er sich den Kranz der Be-

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