Zacharias <Gazaeus>  ; Mayer, Carl; Ahrens, Karl Wilhelm Christian   [Hrsg.]
Die sogenannte Kirchengeschichte des Zacharias Rhetor — Leipzig, 1899

Seite: 268
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Anhang II. Leben des Isaias.

Tim fleichlicher Gründe willen komme zu Mönchen, sondern
auch wegen des Segens der Seele." Indem aber jener dies zu
thun versprach, kehrte er an seinen Ort zurück; und nach
(S. 351) kurzem fand er jenen seinen Knecht samt dem
Gelcle, das er gestohlen hatte. 5

Es erzählte mir aber Dionysios, der gleichfalls ein
Scholastikos aus der Stadt Gaza ist und Christus sehr
liebt, noch Folgendes betreffs des heiligen Mannes. „Um
eines geistlichen Nutzens willen", sagte er, „kamen wir, ich
und einige andere zu ihm, und während wir auf dem "Wege io
zu ihm waren, ereignete es sich, dafs ich mit meinem
Knechte zankte und ihn auch schlug. Als wir nun zu
ihm kamen, machte er uns vorher Anzeige, ehe er von
irgend einem von uns oder von dem Knechte etwas ge-
hört hatte: zu einem jeden der anderen durch Winke 15
redend, je nach den seelischen Leiden, die ihn drückten,
sodafs jene, ihre Fehler einsehend, welche sie alleine zu
wissen vermeinten, bereuten und von Weinen ergriffen
wurden; mich aber anblickend, sprach er öffentlich zu
mir: „Sei nicht zänkisch und zornig, noch schlage die, 20
welche nach dem Bilde Gottes gemacht sind", sodafs wir
alle, indem wir zugleich mit Weisheit und Güte von ihm
getadelt wurden, vor ihm niederfielen, er möge Gott bitten,
uns zu entsühnen." Aber wegen solcher Gabe und wegen
der daraus folgenden Verurteilungen menschlicher Sünden 25
wünschte er der nichtigen Ehre zu entfliehen und das
Gebot dessen zu halten, der da sagt1): „Ihr sollt nicht
richten, damit ihr nicht gerichtet werdet", weil die Werke
aller, die zu ihm kamen, seien es Mönche oder Weltliche,
ihm geoffenbart wurden. So ging er in das Gebiet von 30
Gaza, baute an einem der dortigen Orte ein Kloster, schlofs
sich selber in einem der Häuser desselben ein und sprach
durchaus mit keinem Menschen aufser mit Petros, dem
Oberhaupte seiner Jünger, der gleichfalls im unteren Lande
ein Ägypter war, ein Jerusalemer aber im oberen und zu 35

1) Matth. 7, 1.
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