Allgeyer, Leo
Die Münsterkirche zu St. Nikolaus in Überlingen: ein Beitrag zur Baugeschichte und ästhetischen Würdigung des mittelalterlichen Denkmals — Wiesbaden, 1879

Seite: 20
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Uebergaüges der früheren Periode des gothischen Styles,
in die spätere hineinzuragen begann und nun der Weiter-
bau und zunächst die Vollendung des Chores ent-
gegen dem Plane Rabens — nach den Intensionen seines
oder seiner Nachfolger zum Abschlüsse gebracht worden
ist. Die weitere Frage ist nun aber, welchem nach-
folgenden Meister die Vollendung des Chores übertragen
wurde und hier stehen wir vor dem Werke, ohne uns die
Frage beantworten zu können; es fehlt uns nicht sowohl
an urkundlichen Ausweisen, als selbst an irgend welchem
Meisterzeichen, welches mindestens dessen Enträthselung
ermöglichte oder uns in Vermuthungen darüber ergehen
liesse 10j.

Der Chor, vom Langhause durch den Triumphbogen
und einem hohen, schönen, eisernen Gitter11) getrennt
und höher gelegt, bildet eine edle, einschiffige, dreiseitig-
geschlossene, in gerader Linie mit dem mittleren Hoch-
schiffe des Langhauses fortlaufende durch sieben 9 Meter
hohe 1,86 Meter breite Fenster erleuchtete Halle1-), deren
Schluss ein einfaches Netzgewölbe bildet, dessen Quer-
gurten das Netz in drei Felder theilt. Dabei enden
die Gurten in die in den Ecken befindlichen Konsolen
als Träger des Gewölbes, welch' Letzteres von schönen
plastischen, polychrom behandelten Schlussvignetten ge-
schmückt wird. Das Maaswerk der Fenster zeigt durch-
aus mannigfache Abwechslung; die Fenster waren bis
Anfang der vierziger Jahre theilweise mit Glasmalereien
geschmückt.

Auf beiden Seiten des Chores, dessen äussere Strebe-

10) Die am Aeussern des Chores vorgefundenen Monogramme, von welchen
sich nur ein einziges im Langhause wiederholt, sind Steinmetzzeichen oder zum
Tüeil Merkzeichen.

") 1754 von der Familie Vanotti gestiftet.

n) Ueber die räumliche Ausdehnung des Chores siehe Anmerkung 19,
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