Allgeyer, Leo
Die Münsterkirche zu St. Nikolaus in Überlingen: ein Beitrag zur Baugeschichte und ästhetischen Würdigung des mittelalterlichen Denkmals — Wiesbaden, 1879

Seite: 25
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Räumlich betrachtet, nimmt unser Münster nun keine
geringe Stelle ein19). Vergleichen wir jedoch die Anlage
des Ulmer mit der des Ueberlinger Münsters, so springt
sofort ein Gründunterschied in die Augen, der zwar für
die gewaltigen Dimensionen des Ersten, aber auch zu
seinem Nachtheile und zum Vortheile des Letzteren spricht.
Wie wir aus der am Schlüsse dieser Schrift beigefüg-
ten Tabelle ersehen, erreicht das von einer kolossalen,
50 Fuss hohen Wand unter den Oberlichtern begrenzte
und in unschönem Kreuzgewölbe schliessende Mittelschiff
des Uliner Münsters die doppelte Höhe des Ueberlinger
Langhauses, steht aber dadurch zu seinen niederen Seiten-
schiffen in gar keinem Verhältnisse, so dass dasselbe, trotz
seiner Breite eng, die Höhe aber, obschon geringer, als
die des Cölner Domes, geradezu übermässig erscheint.

Gleich dem Ulmer entbehrt das Ueberlinger Münster
des Transept's, d. i. des Querschiffs; es kommt daher
die symbolische Kreuzform, wie sie die Dome zu Cöln,
Wien und anderwärts aufweisen, nicht zur Geltung.

Kehren wir zurück zu der Fortentwickelung unseres
Münsterbaues, so finden wir, dass bei dem Mangel, zu-
verlässiger urkundlicher Ausweise, der Fortgang unserer
Betrachtungen nach allen Seiten hin gehemmt und er-
schwert wird. Wir können schlechterdings weder durch
Urkunden, noch durch Pläne nachweisen, für welche
Dimensionen das Langhaus berechnet, ob eine dreischiifige

stige Anlage einen wohlthuenderen Effekt ermöglichen können, als die überwältigenden
Massen grosser Werke in complicirterer Anordnung. Zu dieser Erklärung sehe ich
mich umsomelir veranlasst, als ich schon vor mehreren Jahren aulässlich kleinerer
Publikationen meiner Seits in Betreff des Ueberlinger Münsters auf Entgegnungen
von gewisser Seite in der Const. Ztg., abweisend zu erwidern Veranlassung hatte.

vi) Nach der räumlichen Ausdehnung ergeben sich folgende Maasse: die
ganze lichte Länire vom Langhaus sammt Chor 70,40 Meter, der Chor allein
20,-l(); die lichte Breite des Langhauses 33,10; diejenige des Chores 0,30; die lichte
Höhe des Chores 15,90; dio lichte Höhe des Mittelschiffes 20,10; die Breite des
Letzteren (gleich derjenigen des Chores) 9,30 Meter; endlich die ganze Grundfläche
ca. 2000 fjmeter; die äussere Höhe des Langhauses 29,50, des Chores 27,50 Meter.
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