Allgeyer, Leo
Die Münsterkirche zu St. Nikolaus in Überlingen: ein Beitrag zur Baugeschichte und ästhetischen Würdigung des mittelalterlichen Denkmals — Wiesbaden, 1879

Seite: 28
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Setzen wir eine ursprünglich dreischiffige Anlage für
das Langhaus unserer Kirche voraus21), so geht hervor,
dass die spätere Erweiterung zu fünf Schiffen den Zweck
grösserer Raumgewinnung im Auge hatte. Unser Münster
ist aber in der That nur nach und nach zu seiner jetzi-
gen fünfschiftigen Gestalt gelangt, wofür wichtige Gründe
sprechen. Der spätere Einbau sämmtlicher Nischen oder
Kapellen ist notorisch erwiesen; durch diesen Einhau
wurde die Verbreiterung des Langhauses bedingt, die
nun zur Länge in keinem Verhältnisse gestanden haben
würde, hätte man nicht auch nach hinten verlängert und
das Hauptportal weiter hinausgerückt. Dabei sehen wir
die letzten '2 Säulenpaare des Mittelschiffes nicht mehr
als Bündel-, sondern als Rundsäulen fortgesetzt, einer
Thatsache, wenn sie auch nicht absolut für die sichere
Annahme einer späteren Verlängerung spricht, immerhin
mich in meiner Vermuthung bestärkt. Sodann hat Meister
Jacob Rosheim in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts
das Gewölbe im 1 lochschiff hergestellt laut den Raths-
protokollen von 1559, 1561, 15632?), womit die Bau-
thätigkeit an unserem Münster überhaupt ihren Ahschluss
gefunden hatte.

Aus AU' dem folgern wir und nach dem am Hoch-
schiffgewölbe zwischen der zweiten und dritten Säule
vom Chore aus befindlichen Meisterzeichen, welches
wir als dasjenige Rosheim's erklären möch-
ten, dass diesem Meister die Einwölbung des Hoch-*6
schitfes und wohl auch der Bau der Oberlichter im Hoch-
schiffe zugetheilt werden muss, dass beim Erscheinen
Rosheim's in der Bauhütte die fünfschiffige Anlage sammt
dem Kapellen-Kranze, sowie die Einwölbung der Seiten-
schiffe bereits grösstenteils hergestellt gewesen sein

21) Eine solche AnInge ist von Herrn Ullersberger ebenfalls als Thatsache
angenommen.

a) Ullersberger, Münster, S. 34, 35.
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