Allgeyer, Leo
Die Münsterkirche zu St. Nikolaus in Überlingen: ein Beitrag zur Baugeschichte und ästhetischen Würdigung des mittelalterlichen Denkmals — Wiesbaden, 1879

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dürften; denn die beiden Meisterzeichen ob den Spitzen
der äusseren Gewölbebögen bei der sechsten nördlichen
und sechsten westlichen Säule23), lassen fast als sicher
annehmen, dass in Anbetracht der auffallenden Aehnlich-
keit dieser Monogramme mit den Böblinger'schen24), die
damit in Verbindung zu bringenden Bautheile in eine
b üliere Zeit zurückzuführen sind. Auch die am GewÖlbe-
schlusse der südlichen Portalnische befindliche Jahreszahl
1547 weist offenbar darauf hin, dass mindestens ein
grosser Theil der Erweiterungsbauten vollendet war, ehe
Rosheim am Münster seine Thätigkeit entfaltet hatte.

In meiner Annahme von der Metamorphose unserer
Münsterkirche aus einer drei- in eine fünfschiffige An-
lage bestärken mich noch überdies gewisse Maas-
verhältnisse. Denken wir uns nämlich die äussersten
Säulenreihen sammt dem ganzen Nischeneinbaue entfernt,
dann würde sich uns das Bild unserer früheren Kirche
zeigen in der Form dreier gleich breiter Schiffe
des Langhauses25). Ulm gibt uns ein ähnliches Bei-
spiel. Dort war die dreischiffige Anlage seines Münsters
Wplant und ausgeführt: Hude des 15. Jahrhunderts aber
verwandelte Meister Engelberg die einfachen Seitenschiffe
in doppelte, indem er sie der Länge nach mit je einer
Reihe runder Säulen durchzog und damit die fünfschiffige
Anlage herstellte, doch nicht in der strengen Form, wie

uns in unserem Münster begegnet; dort theilt sich
das ursprüngliche Seitenschiff einfach in zwei gleich hohe
Schiffe, während Ueberlingen das Seitenschiff in zwei
Schiffe von verschiedener Höhe konstruirte.

Unser Münster zeigt jetzt drei verschiedene Schiff-
breiten, das Ulmer deren zwei, nämlich das Mittelschiff
mit seinen genau auf die Hälfte der Mittelschiffbreite

a) Vgl. Tafel III, Fig. 3 u. 4.

u) Vgl. Kapitel V. „Die Baumeister".

**) Vgl. Tafel I, Flg. i u. Tafel 11.
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