Allgeyer, Leo
Die Münsterkirche zu St. Nikolaus in Überlingen: ein Beitrag zur Baugeschichte und ästhetischen Würdigung des mittelalterlichen Denkmals — Wiesbaden, 1879

Seite: 31
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sich auf die augenscheinlichste und störendste Weise
zeigen oder gezeigt haben.

Das Resultat unserer Untersuchung würde nun in
kürzerer Fassung Folgendes sein: unser Münster war bis
etwa Mitte des l(i. Jahrhunderts noch nicht fünfs'chiffig,
entbehrte der Oberlichter im Mittelschiffe, erweiterte sich
aber durch den Anbau der nördlichen Kapellen-Nischen,
später der Südlichen, in Folge davon die beiden Seiten-
schiffe durch den Einbau weiterei' Säulenreihen verdoppelt
und damit das System der funfschiffigen Anlage verwirk-
lichet ward, während das Langhaus durch die Hinaus-
schiebung des Hauptportales, um 12 Meter verlängert,
das Hochgewölbe mit seinen Fenstern, endlich das Lang-
haus an Stelle eines gemeinsamen Daches mit einem
Satteldache und den beiden Pultdächern versehen
worden sind27). Dieses Ergebniss meiner Untersuchung
habe ich zunächst in Verbindung zu bringen mit einer
im Jahre 1873 bei Anlass der Restauration der Südseite
des Langhauses gemachten wichtigen Entdeckung, über
welche ich damals wie folgt referirt hatte28):

„Dem aufmerksamen Beobachter, welcher das Portal
rechts der Südseite hiesiger Münsterkirche betreten hat,
werden grosse senkrecht alifallende Sprünge auf beiden
Seiten dieser Portalnische schon aufgefallen sein und er
wird gleich dem Techniker dabei an nichts anderes als
au eine Senkung der Kirche gedacht haben, denn nicht
umsonst sollten eiserne Verbindungsstangen, sogenannte
-jSchlaudern-, eingelassen und so einer weiteren Gefahr
vorgebeugt werden. Zum nicht geringen Erstaunen aber
zeigte sich innerhalb und neben diesem Mauerwerk auf
der linken Portalnischenseite ein übermauerter Strebe-
pfeiler mit zierlichen Fialen, auf der rechten Seite dagegen

K) Vgl. Tafel II.

**) „Seouote" von 1X73, No. 80.
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