Allgeyer, Leo
Die Münsterkirche zu St. Nikolaus in Überlingen: ein Beitrag zur Baugeschichte und ästhetischen Würdigung des mittelalterlichen Denkmals — Wiesbaden, 1879

Seite: 33
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deutlich sichtbaren Spuren der Zugsrichtung der da-
maligen Bedachung. Damals war das Münster durch
ein Dach bedeckt, während wir jetzt ein Sattel- und je
ein Pultdach sehen. Durch den Anbau der Altarnischen
nun, auf beiden Seiten des Langhauses, wäre die Breite
des Tempels zu seiner damaligen Länge im Missverhält-
niss gestanden; man erweiterte daher auch die Länge,
indem das Langhaus wahrscheinlich von der drittletzten
Säulenreihe aus nach hinten — d. h. gegen das Haupt-
portal — verlängert worden ist."

Die Zugsrichtung dieser frühern Bedach-
ung aber ist maassgebend für die Bestimmung
der damaligen Z u g s r i c h t u n g d e r U m f a s s u n g s-
mauer der dreischiffigen Kirche. 30)

Wir sehen hieraus, dass in der Entwicklungsge-
schichte unseres Münsters grossartige Bauumwälzungen
zu verzeichnen sind, dass aber diese Aenderungen, Dank
dem hohen Sinne und der edeln Begeisterung der kühnen
Meister nicht vermocht hatten, der einheitlichen Entwick-
lung des Werkes Gefahr zu bringen.

In Folge dieser Veränderungen trat in den Höhen-
maasen des Langhauses durch den Hinzutritt der drit-
ten Schiffe nachstehendes Verhältniss ein:

Hochschiff = 20,40 in.

Mittlere Seitenschiffe = 14,10 ,,

Aeussere Schiffe mit den Kapellen = 9,75 ,,

Aber auch durch die nun ausgeführte Verbreiterung
beziehungsweise Vergrösserung des Tempels waren es
die seinem Innern lichtspendenden Fenster, welchen
eine ungewöhnliche Breite zugedacht werden musste,
sollte dem Innern die nöthige Helle nicht entzogen wer-
den ; und so erleuchten denn zwölf grosse G,60 m. hohe
und 3,13 m. breite, durch einen elliptischen Bogen über-

M) Vgl. Taf. II.

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