Allgeyer, Leo
Die Münsterkirche zu St. Nikolaus in Überlingen: ein Beitrag zur Baugeschichte und ästhetischen Würdigung des mittelalterlichen Denkmals — Wiesbaden, 1879

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einige der Andern reichen sogar in's IS. Jahrhundert
hinauf46).

Die weitern Gründe, warum die äussere Ansicht un-
seres Münsters ästhetisch nicht zu befriedigen vermag,
sind verschiedener Natur. Eine gewisse allgemeine Ge-
drücktheit des Langhauses, deren Ursache hauptsäch-
lich in den Ungeheuern, die Seitenschiffe überspannenden
beiden Pultdächern gesucht werden nmss47), ist nicht zu
verkennen. Durch den Mangel an Strebebögen, be-
stimmt die Verbindung der untern äussern Strebepfeiler
mit dem Hochmittelbau herzustellen, unterstützend abzu-
schliesscn und harmonisch vermittelnd zu wirken, entbehren
die mächtigen Dachflächen jeder Abwechslung und Ab-
schwächung ihres nüchternen Aussehens. Sind sodann die
äussern, untern einfachen Strebepfeiler zwischen den hohen
breiten Fenstern in neuerer Zeit durch entsprechende Fia-
len gekrönt worden, so vermissen wir sie noch an den
allerdings kleinen Strebepfeilern des Hochmittelbaues und
namentlich am Chore.

Im höchsten Grade beeinträchtigt ist aber der freie
Anblick des Münsters durch die förmliche Einengung sei-
ner Hauptportalseite zwischen unmittelbar und dicht an-
schliessende Privatbauten von interesselosem Charakter.
Nur durch einen unschönen, den sog. Schulhof zu errei-
chen, ist dieser Haupteingang sowohl, wie die beiden ihm
zunächst liegenden Seitenportale auf die bedauerlichste
Weise und damit die Wirkung des Ganzen empfindlich
gestört.

Die Renovationen bis Anfang der 40er Jahre (1838—40)
haben sodann nicht gerade in aesthetischer Weise ihren
Zweck erfüllt: sie waren in ihrer Folge zum Theil nichts

Vgl. Haid, dio Glocken der Pfarrei Ueborllngcn.
*") Wie bereits dargelegt, war vor der grossen Umwandlung unseres Münsters
von einer drei- iu eine fiinfschifngc Anlage das Langhaus durch ein Satteldach
bedeckt.
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