Allgeyer, Leo
Die Münsterkirche zu St. Nikolaus in Überlingen: ein Beitrag zur Baugeschichte und ästhetischen Würdigung des mittelalterlichen Denkmals — Wiesbaden, 1879

Seite: 48
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berichtet uns, dass behufs eines Gutachtens Sachverstän-
diger der „Maister Conrat von Ueberlingen" mit
den Meistern von Strassburg, Zürich, Neuhausen, Frei-
burg und Salem vom Domcapitel zur Beratschlagung
nach Constanz beschieden worden waren.

Durch all' Dieses werden wir in unserer Meinung
bestärkt, dass diese beiden Collegen — Lorenz sowohl
als Conrad, — Meister von unbestrittener Tüchtigkeit ge-
wesen sein müssen, deren Rathschläge man bei wichtigen
Baufragen hoch zu schätzen verstund; dass Meister
Lorenz unzweifelhaft bis 1505 und wohl auch nach-
her abwechselnd, Meister Conrad vielleicht um 1518 ihre
Kraft und ihre Kenntnisse an unserem Münster erprobt
und bekundet hatten.

Nach zwei Urkunden, vom 16. Mai 151.3 und 15.
Mai 1514G3, zu schliessen, muss aber schon vor dem Auf-
treten Meister Conrad's der Werkmeister Christoffel
Wolgemut die Stelle als Bauführer begleitet haben.
Ullersberger berichtet uns darüber Folgendes: „Im Jahre
1513 erscheint ein Christian oder Christoph Wohlgemuth
als Werkmeister des Münsters. Leider ist über das Leben
dieses Mannes, der den Geschlechtsnamen eines vorzüg-
lichen deutschen Künstlers trägt, nichts Näheres bekannt;
selbst sein Dienstantritt dahier lässt sich nur beiläufig
bestimmen. Ob er wohl ein Verwandter des hocliberühm-
ten Michael Wohlgemuth, Malers und Holzschneiders zu
Nürnberg 1434—1519, dessen Zeitgenosse er war, gewe-
sen ist? Wir wissen nur, dass er vorher im St. Geor-
genkloster zu Isny thätig war; denn im Jahre 1513 den
6. Mai bittet Philipp, Abt des besagten Klosters, den
Rath zu Ueberlingen, dem derzeitigen Werkmeister da-
selbst Christoffel Wolgemut, der ihm in seiner Kirche
zuvor „eine absitte gewelbet," die Erlaubniss zu geben,

l) Beide Orig.-Urk. im Landesarchiv zu Karlsruhe.
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