Allgeyer, Leo
Die Münsterkirche zu St. Nikolaus in Überlingen: ein Beitrag zur Baugeschichte und ästhetischen Würdigung des mittelalterlichen Denkmals — Wiesbaden, 1879

Seite: 49
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— 4!) —

sich nach Isny zu verfügen, um das Aufschlagen
des Gewölbegerüstes zu überwachen. Der Rath ent-
sprach aber dieser Bitte nicht, desshalb sandte der
Abt genau ein Jahr später ein abermaliges Bittschreiben
bezüglich „ewers Werkmaister Christan Wolgemut". Die-
ser Meister scheint demnach ein besonderes Vertrauen
genossen und auch in Ueberlingen seine Stelle vorzüg-
lich versehen zu haben, da er wenigstens dreizehn Jahre
hier thätig war", denn 1525 wurde er entlassen, nach-
dem die St. Nikolauspflege so arm geworden war, dass
man unsern Meister nicht mehr bezahlen konnte. Er
erhielt unter Darlegung der damaligen Ueberlinger Noth-
stände ein Empfehlungsschreiben an den Freiburger
Stadtrath, damit Wohlgemuth am dortigen Münster-
bau Beschäftigung fände"' (laut Missio-Protokoll von
1525)".

Nun verlassen uns wieder bis zum Jahre 1555 alle
Nachrichten über den Fortgang oder den Stillstand am
Münsterbau. Die schweren Zeiten, die jetzt eintraten,
unter deren Druck Alles zu leiden begann, hemmten die
fernere Bauentwicklung des Werkes und so werden wir
weit eher Stillstand voraussetzen müssen, als Fortgang
innert einer Frist von drei Dezenien! Nach Verfluss die-
ser dreissig „magern" Jahre, wie Uliersberger treffend
bemerkt, haben am Donnerstag nach Exaudi die fünf „ge-
heimen Räthe" Anzeige und Relation gemacht, „wie sie
die Sachen mit dem fremden Meister von Wien
der Kirchen und gemeiner Stadt Gebäu halber berat-
schlagen" und es ist beschlossen worden, mit dem Bau
in der Kirchen „förderlich und unverlänget fürzuschrei-
ten." Es wurde sodann eine Commission eingesetzt, be-
stehend aus den fünf geheimen Rathen, dem Bauherrn
und Junker Hans von Hersperg; diese sollte die hiesigen
Werkleute kommen lassen, mit denselben mündlich ver-
handeln, und „eine Visirung," d. h. „einen Plan reissen

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