Allgeyer, Leo
Die Münsterkirche zu St. Nikolaus in Überlingen: ein Beitrag zur Baugeschichte und ästhetischen Würdigung des mittelalterlichen Denkmals — Wiesbaden, 1879

Seite: 52
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rangen zuschreiben zu sollen66). Dem entgegen muss ich
jedoch mit Rücksicht auf meine Nachforschungen über-
haupt und den angestellten Vergleichungen unserer Ueber-
linger Meisterzeichen mit den Böblinger'schen bemerken,
dass am allerwenigsten jenes Monogramm, welches ich
als dasjenige Rosheim's bezeichnen möchte, Anspruch auf
Böblinger'sche Verwandtschaft erheben kann, während das
Hassler'n ebenfalls bekannte Monogramm an der dritten
Säule vom Chore aus im südlichen zweiten Gange kein
Meisterzeichen ist, da es des Schildes entbehrt67).

Waren nun aber einige der Böblinger in unserer
Nähe, in Constanz und Radolfzell thätig, so ist von all'
Dem für uns gar Nichts mit Bestimmtheit abzuleiten68).
Doch sind es von den dreien, vor nicht langer Zeit ent-
deckten Meisterzeichen die beiden über den Spitzen des
sechsten nördlichen und des sechsten westlichen Gewölbe-
bogens der äussersten Säulenreihen, welche durch ihre
auffallende Aehnlichkcit mit den Monogrammen der be-
rühmten schwäbischen Künstlerfamilie dieser Böblinger

C£) Bodensee-Vereins-Schriftcn Bant! VII.

f,T) Solche „Steinmetzzeichen" Im Gegensätze zu den eigentlichen Meister-
zeichen dürfen wiederum nicht verwechselt werden mit solchen Merkzeichen, welche
zum richtigen Zusammensetzen der bearbeiteten Steine auf denselben angebracht
wurden und sich oft sehr häufig wiederholen. — Steinmetzzeichen finden sich an
manchen Bauwerken ebenfalls oft mehrmals in einer und derselben Form vor und
sind in sofern wichtig, als sich daraus leicht ein zeitgeschichtlicher Zusammenhang
verschiedener Bautentheile ableiten lässt. Unser Münster weisst gegen hundert sol-
cher Zeichen auf, von welchen nur vier als M ei s te r z e i c he n, alle Uebrigen aber
als Steinmetz- oder Gesellcnzeichen oder als Merkzeichen erkannt werden können;
auch ein Christus-Monogramm findet sich darunter. Da keines dieser Zeichen in der
Form dem andern völlig gleicht, können sie mit Ausnahme der vier Meisterzeichen
für unsern Zweck nur untergeordnete Bedeutung haben, weil sich von ihnen kaum
Etwas ableiten lässt. — Mit der Zahl Vier dürfte das Vorkommen eigentlicher Meister-
zeichen an unserm Münster übrigens noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden.

re) Von den mir bekannten zahlreichen Monogrammen am Dome zu Constanz
und den Wenigen der Kadolfzeller Kirche, weist nicht ein Einziges auf Böblinger'-
schen Ursprung hin, wie denn alle als „Merk- und Steinmetzzeichen" betrachtet
werden können, von welchen Einzelne als solche auch in Ueberlingen sich wieder-
holen. Die Meisterzeichen des Constanzcr Domes scheinen noch völlig unbekannt
zu sein.
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