Allgeyer, Leo
Die Münsterkirche zu St. Nikolaus in Überlingen: ein Beitrag zur Baugeschichte und ästhetischen Würdigung des mittelalterlichen Denkmals — Wiesbaden, 1879

Seite: 54
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Meister noch unter den Lebenden weilten, denn Marx
Böblinger starb schon 1492, Mathäus 1505.

Unsere beiden Zeichen, in ihrer Form völlig über-
einstimmend, unterscheiden sich nur durch die Wendung
der Figur von rechts nach links oder umgekehrt und
sind offenbar das Monogramm eines Meisters. AVie sie
aber an sich schon diese Wendung machen, so zeigen sie
gleichzeitig bedeutsam auf die ausgeführten Arbeiten rechts
und links des Langhauses hin als Theile der Erwei-
terungsbauten; und so sind wir fast berechtiget, die
Entstehung unserer beiden Monogramme einem jüngern
des Böblinger'schen Geschlechtes zuschreiben zu
sollen, vielleicht einem der Söhne des Mathäus, welche
nach Dr. Hassler'nin verschiedenen Städten Schwabens
in der ersten Hälfte des lfi. Jahrhunderts als Steinmetz-
meister gewirkt hatten. An der Spitze des südlichen
Scheidbogens des Hochschiffes, zunächst dem Chore, ist das
auf Tafel III. Fig. 2. abgebildete Meisterzeichen sichtbar.
Es kann mit Sicherheit angenommen werden, dass der
betreffende noch nicht zu bestimmende Meister einer der-
jenigen sein musste, welchen die Aufgabe zufiel, nachdem
der Bau des frühern und ersten Langhauses zur Aus-
führung gelangte, das Mittelschiff herzustellen, gleich viel,
ob die frühere dreischiffige Anlage eine Hallenkirche war
oder nicht. Für die einstige Bestimmung des Meister-
namens ist dieses Zeichen von grösster Bedeutung, da es
den Schlüssel gibt, die Spur auf einen unserer frühesten
Baumeister des Langhauses zu lenken, d. h. auf einen
jener Meister, welche vor der Zeit der Erweiterungs-
periode in der Bauhütte erschienen waren! Die weiter
anzustellenden Forschungen werden mit der Zeit Licht
auch in dieses Dunkel bringen.

Die beiden Meister Lienhart, vom Rathe zu Mengen
unterm 3. Mai 1506 dem Ueberlinger Rathe empfohlen
und Johann Franck von Hagnau, welchen Bischof
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