Allgeyer, Leo
Die Münsterkirche zu St. Nikolaus in Überlingen: ein Beitrag zur Baugeschichte und ästhetischen Würdigung des mittelalterlichen Denkmals — Wiesbaden, 1879

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Eiigelköpfen. Den Meister kennen wir auch bei diesem
Werke nicht; indess verräth dasselbe eine geschickte
Hand. Die Formen der Kanzel zeichnen sich im Ganzen
durch Schlankheit und Zierlichkeit aus; sie ist in sechs
Felder getheilt und geschmükt mit fünf in Holz ge-
schnitzten, bemalten Heiligenstatuetten auf Säulen-Kapi-
tcälen als Consolen und unter Baldachinen. Der Schall-
deckel, ein Machwerk späterer Zeit, verdient kaum ge-
nannt zu werden. Die Kanzel zeigt leider vielfach deut-
lich die Spuren missglückter Renovationen und würde
überhaupt einer durchgreifenden, würdigen Herstellung
bedürfen.

G e d äc Ii tu isstafeln.

Dem Andenken der um Stadt und Kirche verdienten
Patrizier-Familien sind die über dem südlichen und dem
östlichen Portale des Münsters angebrachten grossen Rund-
Tafeln im Durchmesser von ca. 1,30 m. gewidmet, die
als schöne, reiche, polychrom gehaltene Holzschnitze-
reien sowohl, als ihrer heraldischen Bedeutung wegen,
unsere Aufmerksamkeit verdienen. Diese sechs Tafeln
oder Epitaphien82) repräsentiren die Wappen folgen-
der Geschlechter:

über dem südlichen, über dem üstl. Portale:

. von Freiburg; . von Bayer & von Scbulthaiss;

. von Reichlin-Meldegg; . von Reichle;

. von Bayer; . von Schulthaiss,

und dürften dem 17. Jahrhundert entstammen.

Minder bedeutende Gedächtnisstafeln in Erz, befin-
den sich sodann an einer der südlichen nächst dem
Chore stehenden Säule, mit Wappen der Domina M. Fran-

82) „Epitaphium" ist übrigens gleichbedeutend mit „Grabschrift" und in so-
fern der Ausdruck als Benennung für unsere Wappenschilde im weitern äinne auf-
zufassen.

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