Allgeyer, Leo
Die Münsterkirche zu St. Nikolaus in Überlingen: ein Beitrag zur Baugeschichte und ästhetischen Würdigung des mittelalterlichen Denkmals — Wiesbaden, 1879

Seite: 68
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zisca de Vivier, geb. de Haas f 1760 und mit Inschrift;
und dem Rosenkranzaltar gegenüber zum Andenken des
Bürgermeisters Job. Schulthaiss f 1628, ebenfalls mit
Wappen gescbmükt.

Leider wurden die noch vor ca. 40 Jahren im Mün-
ster vorhanden gewesenen zahlreichen G r a b d e n k m ä 1 e r
um Stadt und Kirche verdienter Geschlechter, — Boden-
platten mit Inschriften, Wappen und Figuren, — radikal
zerstört. Wir werden uns darüber kaum zu verwundern
brauchen, wenn wir wissen, dass jener vandalische Akt
in die Zeit der schon früher in dieser Schrift erwähnten
Renovation Ende der 30er Jahre fällt, und selbst die
bittere Klage eines Mader in dessen geistvollem Gut-
achten über die Renovation des Münsters, — ohne Ein-
druck blieb83)!

Der Oelberg.

Wir können unsern Rundgang in unserm herrlichen
Münster und um dasselbe nicht beschliessen, ohne auch
über den neben ihm stehenden Oelberg wie billig
einige Worte beigefügt zu haben.

Die gruppenartigen Darstellungen aus der Passions-
geschichte gehören meist dem 15. und 16. Jahrhundert
an; theils Schnitzwerke an Altären81), häufig auch zwi-
schen zwei Strebepfeilern an die Umfassungsmauern der
Kirche sich anlehnend, bisweilen aber geradezu als selbst-
ständige architektonische Anlagen auftretend und hier
in der Regel in Stein ausgeführt, — stellen dieselben
mit Vorliebe die Hauptmomente, d. h. Anfang und End-
punkt der Leidensgeschichte, also Christus am Oelberge
oder den Erlöser am Kreuze dar. Mehr aber als die

Manuskript im städt. Archiv.
»') Vgl. Seite 5S.
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