Allgeyer, Leo
Die Münsterkirche zu St. Nikolaus in Überlingen: ein Beitrag zur Baugeschichte und ästhetischen Würdigung des mittelalterlichen Denkmals — Wiesbaden, 1879

Seite: 74
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An Kelchen in Filigran-, Ciselir- und Emailarbeit
besitzt unser Münster eine grosse Zahl; als besonders
werthvoll nenne ich einen goldenen Kelch von 1459,
von feiner und prachtvoller Filigranarbeit und mit Edel-
steinen besetzt; derselbe wird in künstlerischer Beziehung
übertroffen von einem in Siber getriebenen Renais-
sance-K eiche. Becher und Fuss sind geschmükt mit
herrlichen Engelgestalten und mit den schönsten
Emailmalereien; der Knauf mit Engelköpfen, alles um-
geben mit reizenden Ornamenten. Wir werden diesen
prächtigen Kelch, bei welchem einzig der Fuss etwas
wulstig und schwer erscheint, den s. g. Pontifikalkelchen
einzureihen haben, die nur bei aussergewöhnlichen Feier-
lichkeiten in Anwendung gekommen waren.

Ich erwähne ferner: ein Altarkreuz, reich go-
thisch, ähnlich dem im St. Columba zu Cöln, doch mit
ursprünglichem Fussgestell94); ein Vortragkreuz, ähn-
lich dem Aeltesten des (Jölner Domschatzes94); einen
Prozessionsleuchter, späthgothisch; von 15 0 0 94).
Eine Monstranz in Metall, in Form eines schlank
und kühn aufgebauten gothischen Thurmes; Höhe 103 cm.;
ein Ciborium, ungemein prachtvoll, in der reizendsten
und zierlichsten Ausführung, — einem vollendet schö-
nen, figurenreichen Kunstwerke der besten Zeit der Re-
naissance. Da die dabei vorkommende Holzbekleidung
Ebenholz ist, so wäre die Möglichkeit vorhanden, dass
dieses unvergleichliche und kostbare Stück das Geschenk
des Domherrn Dr. Konrad Waibel sei, welchem ein
solches Geschenk im Jahre 1600 als „Monstranz, reich
mit Gold und Silber verziert und von Ebenholz", zuge-
schrieben wird.

Vielleicht dass auch von demselben um die Stadt
Uebeiiingen vielfach verdienten Domherrn der alte, schöne,
gestikte Ornat im Münsterschatze stammt; denn 1609

'») Lötz, Kunst-Toj)ographio. Band JL
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