Münsterbau-Verein <Konstanz>   [Hrsg.]
Das Alte Konstanz: Stadt u. Diöcese in Schrift u. Stift dargest. — 1.1881

Seite: 10
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Uebor don ronnschen Ilrsprung nrld die erfte 2lnlage

der ^tndt ^lonstclnz.

eber den römischen Ursprnng des Namens der ^tadt Lonstanz und
des Grtes selbst bat bis in die letzten gabrzebnte berein Niemand
einen Aweifel allfgeworfen. Die ^rage war böchstens die, ob
nicht etwa das Ptolemäische (i i> » o <! im m — die alte thelvctier-
stadt — an der ^telle des spätern Nömercastrnms Ooiistiiiiti» vor-
dem gestanden sei. Nachdem nnn aber die (öelehrten darnber
einig geworden sind, daf; es nberhanpt kein Oiciimiliniim gegeben,
wohl aber irgend ein Abschreiber das helvetische 8»Io<Imiim in
(iiiiimliiriii» verschrieben hat, ernbrigte der ins Arant geschossenen Aeltomanie nnr noch,
ans dem Namen Lostan,; sLostenz) selbst — so wnrde die l5>tadt das ganze Alittelalter
hindnrch geheifzen — eine keltische „Niederbnrg" sdie herkömmliche Bezeichnnng des
ältesten ^tadttheiles von Lonstanz) lieransziibekommen. Und doch bezengt gerade die
Horm „<Lostanz" nnd „Lostenz" sm. vgl. das italienische Oostmir» als Ligenname nnd
Begriffswort) so dentlich die ächt romanische Abstammung! Und was die Lonstanzer
„Uiederburg" betrifft, so hat dieselbe hier abfolnt keine andere Aoile zn spielen, als bei-
spielshalber die „Gberbnrg" von UAndisch, wie dort der alte Loden von Uindoniffa heifzt,
oder die „Äurg" bei ^tein, die chofftatt des alten äV'isZetinm. Ls sind dies Aachklänge
der deutschen Namen, welcbe die germanischen Linwanderer an Grt und Btelle
den von ihnen eingenommenen Aömerorten zu geben pflegten. Ein kurzer Alick
auf die geschichtlichen Lreignisse und die örtlichen Ueberlieferungen sol! nnn aber zeigen,
daß die Gründnng der durch Ausgrabungen sicher gestellten römischen Aiederlassiing an
der !5>telle von Lonstanz in eine Ieit fällt und von Umständen begleitet ist, welche fpeziell
znm Aamen der Btadt Cionstanz in der iimigsten Beziehung stehen.

Mohl mag der landschaftlich so reizend gelegene Punkt, wo der blaue Bodensee
auf einigs Steinwnrfsweiten sich verengert und die ^luth des 2A;eines kristallhell wieder
hervorquillt,

„— wie der Alpheus, der in Arcadien entspringend, aus Liebe znr Gnelle
2lrethusa das Ionische Akeer bis hin zur Uähe der Geliebten durchschneidet"
fchreibt in poetischem lö-chwunge der Römer Vm. Anreilllimis in seiner Äe-
schreibung des iUodensees ror. Mst. XV, 4,

wohl mag dieser einzige Punkt, an welchem die beiden Ufer des l5>ees mit einer ^ähre
oder Brücke sich vereinigen lasfen, schon in urältester Zeit und lange vor der römischen
Gccupirnng die lv>tütte einer rhätischen oder lielvetischen Biiederlassung gewesen sein. Auch
der ^ischfang, für welchen der Bheinausfluß bei Lonstanz fo außerordentlich günstig ist,
muf; fchon frühe die Bewohner der ^>eegestade hieher gezogen haben. Ansofern ist es
richtig und ohnehin durch die höchst intereffanten pfahlbaufuiide am ^>üdostende der ^>tadt
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