Münsterbau-Verein <Konstanz>   [Hrsg.]
Das Alte Konstanz: Stadt u. Diöcese in Schrift u. Stift dargest. — 1.1881

Seite: 11
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(Rauhenegg) bestätigt, wsnn Or. Bacmeister in seinen alamannischen Manderungen L>.
meint, auch das ächt römische OoWtMin selbst stehs auf keltischen Grundmauern. Auch
den Römern kann bei der Besitznabme des Landes die günstige Lage von Lonstanz
unmöglich entgangen sein. Dennoch kam diesem Grte in den ersten Iahrhunderten der
Römerherrschast eine besondere, namentlich eine strategische Bedeutung aus dem Grunde
nicht zu, weil nach der l5 v. <!chr. durch liberius und I)rn8U8 vollzogenen Unterwerfung
der Rhätier und Bindelicier und nach dem Abzuge der Lueven aus den sogen. Decumat-
ländern das ganze rechtsrcheinische Gebiet vom Bodensee bis gegen Rlainz und über die
Donaulinie hinaus den Römern sozusagen als herrenloses Land znsiel und bis zum Iahre 259 n.
Lhr. unangesochten verblieb. Alit Unigehung des linken Bodensee- undRheinusers abwärts Ar-
bonbis zum Aussluß des Ltromes aus dem Untersee sührten auch bis zur AUtte des 3ten
Iahrhunderts die römischsn cheer- und chandelsstraßen von Rhätien und chelvetien her bei
Vä kliöuuiu in der Alähe von Bregenz (LriALlltiuin), bei Burg Stein (Ill8A6tiuin) und
Zurzach (Itzllöäo) über den Rhein. Aä. vgl. die l?eutinger'schs Lharte und das Antonin'sche
Itinerarium. Als aber im Iahre 259 unter 0-illi6nu8 (259—268) die Alamannen das
zweite Rhätien erobertsn und in gewaltigem Ansturm über den Rhein, ja selbst
über die Alpen vordrangen und sortan nie mehr vom Rheine vertrieben werden konnten,
da wurde die Tituation freilich eine weseutlich andere. Roms ganze Rrast mußte jetzt
daran gssetzt werden, die gesährdete 2>heinlinie zu behaupten, wobei es — zunächst den
Aaisern krobu8 (226—282) und Uuxiiriillnu8 (282—288) — noch einige Akale gelingt,
mit siegreichen Adlern über den !5>trom hinüber und bis zur Donau wieder vorzudringen.
Dieser Aamps tobte am surchtbarsten untsr dem kriegsgewandten Oou8tantiu8 Obloru8
(292—506) und seinen Alachsolgern. Logar unter den Alauern von Vindonissa, dem
chauptwaffenplatze sür die Bertheidigung des Gberrheins, mußte Oon8tantiu8 01rloru8 mit
den Alamannen eine Lchlacht aufnehmen, deren Ausgang der jdaneg^riker kuiu6niu8 als
einen der glänzendsten ^isge des Aaisers verherrlicht. Derselbe Luin6niu8 bemerkt aber,
damit wir uns über die Tragweite des !5>ieges nicht täuschen und denselben nicht über-
schätzen, in seiner Vobrede (in Oon8t. 15) weiter, daß nunmehr der Rhein durch
fortlausende Tastelle (psr inttzrvllllg, äi8p08itu 6Ä8t6l1a) von Oon8tnntiu8 Olil.
besestigt wurde. Aloch deutlicher berichten hierüber die in die Iahre 292—294 sallen-
den römischen Denksteine zu Tonstanz (in der Alauritiuskirche), Burg ^tein und Altenburg
(bei lVindisch), wonach die ^UAU8ti Oiocltztiunu^ und Uuxiiniunu8 und die 0n68ur68 Oon8tantill8
(Oiiloru8) und Onltzriu8 die Alauern und Thore von Vituäuruni, Burg T-tein und Altenburg
(on8truni Vinäoni886N86) von Grund aus hergestellt haben. Ietzt spätestens mnßte uoth-
wendig auch an die Bewehrung der sür einen 2lheinübergang so geeigneten ^ee-Tnge
bei Tonstanz gedacht und solche ins Merk gesetzt worden sein. Denn was nützte den
Römern die — der Zeit nach sür 292)94 sichergestellte — Besestigung des Rheinüber-
ganges bei Burg Ttein, wenn die mobilen l5>chaaren der Alamannen bei Tonstanz über
den Rhein setzen und von hier aus in einem halben oder ganzen Tagmarsch die Tom-
munikation der linksrhsinischen cheerstraße Viiiäonj88L-Vituäuruni-briArintiuni, ja sogar jene
der sast noch wichtigern ^traße Ouiiu-briMiitiuin abschneiden konnten? Nichts ist darum
natürlicher, als die Annahme, daß in der Zeit jener großartigen Besestigung der Rhein-
linie, in deren Rreis Tonstanz naturgemäß gehört, auch die Gründung der Römerstation
am Rheinausfluß bei Tonstanz sällt. Und so müßte man diese Gründung mit dem ruhm
reichen Alamen des Alamannensiegers Oon8tnntiu8 01iloru8 selbst dann in Verbindung bringen,
wenn der aus ihu hindeutende und der l5>tadt verbliebene Name Oon^t-uitia. den Täurm der
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