Münsterbau-Verein <Konstanz>   [Hrsg.]
Das Alte Konstanz: Stadt u. Diöcese in Schrift u. Stift dargest. — 1.1881

Seite: 12
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alamamnschön Invasion und der völkerwanderung nicht überdauert hätte. Alle wichtigern
Grte von LlibAntinin bis hiliab nach ViiKimtii ItLur., uin deren Befestigung es sich handelte,
wie Xrbor kvlix, lasAktinm, Vitiräurirm, Vtziiöäo, VimlonissÄ tzto., batten damals schon chre
althergebrachten, tbeils römischen, theils keltischen Vlamen, welche die 2Iömer nicht ändern
wollten. Lonstanz aber, dessen rbätisches oder keltisches Lischerdörfchen längst in jchahl-
ruinen liegen mochte, war eine eigsntliche Vleugründung. Mas lag näher, als ihr den
Aamen des glorreichen Lrbauers zu geben?

Um die INitte des 4- Iahrhunderts rückte der Echauplatz des Alamannenkrieges
nnserer Gegend noch nähsr. Es sind die lentiensischen Alemannen, welche nunmehr an
die nördlichen User dss Bodensees und ins Gberrheingebiet vordringen, um hisr eine
bleibende Lseimath sich zu erobern. Ooimtaiitius II. mußte von Alailand aus 354 einen
Leldzug gegen sis unternehmen, der nach dem aussührlichen Berichte des Vmmiuuus
Uurotzllinu« am Bodensee ausgekämpst wurde und nach unglücklichem 2lnsange schließlich
sür die Römer günstig endete. Derselbe hatte sinen raschen Uerlaus und es besagt uns keine
Blachricht, daß etwa in verbindung damit Besestigungen, Oasttzllu u. dgl. am Bodensee
und Gberrhein angelegt worden sind. Der E-ieg OouZtuntius II. hinderte nicht, daß der
Aamps mit den Zllamannen, diesem Todfeinde 2Ioms, nnter Iulian, Iovian, Valentinian und
Gratian immer und immer wieder ausgenommen werden mußte. In dessen Oerlaus mögen
dis Besestigungen der ttheinlinie Noth gelitten oder da und dort als unzureichend sich
erwiesen haben, weshalb valentinian (364—3V5), so berichtet Xmmmuu8 Uuiotzlliuu8 (XXV11I),
um das Iahr 568 neuerdings den ganzen Ahein von seinem rbätischen Ursprung (u Lliü-
tiurum exoiäio) bis hinunter zum Ateere mit starksn Bollwerken, Tastellen und Mach-
thürmen versehen hat. Gbschon dies sich unstreitig auch aus das linke User des Bodensees
erstreckt hat, so ist gleichwohl mit dieser zweiten Besestigung der Rheinlinie die Gründung
von Ooimtuntiii schon mit Rücksicht aus die Benennuug der Niederlassung — mit Lonstantius
Enkelin 0on8tantiA, an die hier gedacht werden möchte, hat sich valentianus !^ohn (Gratian)
erst 3V4 vermählt — nicht wohl in verbindung zu bringen. Tlndrerseits kann aber auch
nicht geleugnet werden, daß die Bedeutung des j)latzes um diese Aeit gewachsen und
derselbe neuerdings befestigt worden sein mag. Daraus deutet denn auch die wichtigkeit
hin, mit der Lonstanz bald nach der völkerwanderung und nach Beendigung des Rampses
zwischen Hranken und Alamannen als Eitz des großen alamannischen Bisthums in die
Geschichte eintritt.

Es ist nun allerdings wahr, keine römische Geschichtsquelle gedenkt unserer
Ooii8tcU>tm am Bodensee, nicht die ))eutinger'sche Tasel, nicht das Antonin'sche Itinerar,
auch nicht die der Zeit des Iloiioriim (3H5—423) angehörende uotitm (liAii., obschon gerade
aus der letzteren ersichtlich ist, daß die Aömer sich bis über das 4. Iahrhundert hinaus
im Besitze des südlichen Bodenseegestades behaupteten, dort Garnisonen (LriKÄutiii und
^rlior Itzlix) und sogar eine Aottille (uumtzru8 burtziiiioium) hatten. Gsfenbar galten Tonstanz
und Burg Etein den Römern trotz Allem nur als Nebenorte, als eine Art von vorge-
schobenen j)osten sür die nächstgelegenen Maffenplätze ^rbor ktzlix und Vituäurum, wie ja
beispielshalber auch Viiiäoni88ii und ^u^imtii llaur. solche aus stundenweite Lntsernungen
sich erstreckende vorwerke gehabt haben. Als Aaiser Gratian 379 nach glücklich unter-
nommenem ^eldzuge gegen die lentiensischen Alamannen nach dem Griente abberufen wurde,
wo nunmehr ein noch gesährlicherer ^eind dss Römerreiches ausgetreten war, nahm er
nach X.MM. Uure. XXXI. 10 den Rückweg über den Rhein ptzr ou8tru quibuö btzlieis X.rbori8
uomtzu 68t. E-ollte zu diesen oii8trii (ea^trum, eine Burg von etwas größerm Umsange,

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