Münsterbau-Verein <Konstanz>   [Hrsg.]
Das Alte Konstanz: Stadt u. Diöcese in Schrift u. Stift dargest. — 1.1881

Seite: 36
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seino Äelle in Bern vertrat. Uincenz Liisinger ivurde iii Bern in den großen Aath
gewählt iiiid überiiabiii den ^tistsban in Lonstaiiz sb. i. deii Ban des 2llmisters), blieb
aber fortgesetzt mit der alteii üeimatb in Oerbiiidmig. Noch im s)abre l^84 ist Uincenz
Lnsiiiger, der Iverkiiieister voii Tonstanz, ii:i Streit init Glian Ueschler „wegeiiUNauritzeii
Ensiiigers seiu Nachlatz". (l. c. 69.)

Uaiimeister Oincenz miitz also sebr lange an uiiserm Nlüiister tbätig gewesen imd
ibm der grötzte Ccheil der gotlüschen Um- inid Aiibauteii zuznschreiben sein, iiamentlich
auch die charakteristischen lö-arcoplnige der Aischöse mit den cherlichen Giebelüberbanten.

2lnno l499 am l6. Ulai concludirt das Uomkapitel, „daz man maister <r 11 r e n
den ^chneggen an den nüwen tnrn machen lassen sölle."

dlnno lbOch „datz man die Uild, so maister micheln gemacht, dem maler zn
fassen gegeben sind, widerumb sölle uss die bütten verordnen 11. s. w."

löOö ist „maister tlaurentz 11s vorig abred gegen Lostan; konimen mit wib und
kind nnd seinem bussrat . . nnd das Aapitel probirts mit Uleister Laurentz", obschon

derselbe gegen alle chüttenordnnng „vormals maister ^teffan zn Znrich sin votnni gegeben."*)
Uoch im Zabre löOtz treffen wir den Uleister «ranrentz, der anch von den Ueberlingern
bei ibrem Ulünsterban zn Uatb gezogen wird.

Das Iabr löll/ an der ^chwelle des l6. Iabrbnnderts, wird znm Unglücksjabr
sür das Ulünster. Ls brannten nämlich die Tbürme nieder nnd mit Ulübe konnte man
des Heners cherr werden, damit es nicht in das Ulünster eindringe. Zetzt war grotze
(löeld- nnd Uannotb. Uaiser nnd Uischos tbaten 2llles znm lUiederansban der

Lbürme **). Mieder ist es Uleister ^anrentz, der die ansgebrannten üchnrmmanerii
untersncht, sie nen anffübrt, die Lrlanbnitz erbält, 20 oder ÖO (löesellen anznnebmen.
Anno löl8 geben chans chamer, Merkmeister des Stists zn ^trantzbnrg, Ltepban Uietzen-
storffer, Merkmeister zn Znrich, meister Ronrad von Ueberlingen, Lrhard Uackenkolb von
Aüwbusen, Aalier an nnser srowen bnw zn ffrrburg, nnd Ularr, werkmeister zn ^almen-
scbwvler, ein Gntachten ab über die üchürme. Uie lö-itznng der Uleister war im sog.
!5-tans gehalten. Als in der zweiten chälste des l6. Zabrhnnderts das Institnt der Uan-
bütten in den letzten Zügen lag, da erscheint nochmals bei Aeratbnng nnd Lestsetznng
des sog. „nenen Arnderbnches" nnter c2 Uleistern anno lo6ö der Uleister der chütte von
Lonstanz.

Aicht vergessen dars man die Ulalereien dsr gotbischen sd^riode. Zn der ersten
südlichen 5>eitenkapelle ist das Gewölbe von der Tünche besreit worden nnd zeigt sich
bier ein schwnngvolles Uistelornament. Zn den Lcken der btzewölbekappen des Rrenzgangs
sitzt ein kleines Blnmenornament. Zn der sog. !5>chatzkammer ist die tkegende des bl.
Aikolaus znm Uorschein gekommen; in der Ulargaretbenkapelle trägt das Gemälde über
dem ^arcopffag des Bischoss Gtto von chochberg ein Uleisterzeichen nnd die Zabrzabl l44ö;
im Rrenzgang ffnden sich zwei interessante Darstellnngen ans der j!)assion. Uie !5>t. !5>rl-
vesterkapelle ist noch ganz bemalt nnd meist tresflich erbalten. chier ist die ganze Leidens-
geschichte gemalt, em süngstes Gericht nnd die j)atrone der Rapelle. Gine Zabrzabl
lantet l4cö, und eine andere ans einem restanrirten ^elde lö8ö. Uiese Rapelle ist ein
wabres !5>chatzkästchen gotbischer Mand- nnd Ueckenmalerei. Das Zabr l4cO malte anch

*) Anszüge ans den Protokcllen'des Domkapitels, nntgetbeilt in der Schrift i „Denknmle deutscher Baukunst des
Nlittelalters am Gberrhein." Freiburg, perder, z825.

**)ZDer Ablaßbrief, der dainals gewahrt wurde, soll s. Zt. in diesen Neften auszüglich niitgetheilt werden.

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