Münsterbau-Verein <Konstanz>   [Hrsg.]
Das Alte Konstanz: Stadt u. Diöcese in Schrift u. Stift dargest. — 1.1881

Seite: 44
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^tand der Nestaurationsarbeiten

des

Lon st a n z e r M ii n st ers.

Wir können diesinal unsern Lesern die erfreuliche Mttheilung machen, daß die im letzten lfefte besprochenen
zwei Aapellen ihrer vollendung entgegengehen, nämlich die St. Mauritius- und die St. Lhristoxhoruskapelle. In der ersteren
sollte ein Momiment errichtet werden zn Ehren des hl. Manritins, des Ariegsobersten der Thebaischen Legion, welche
mit der erstmaligen Lhristianisirnng unsercr lseimath iin innigen Zusammenhang steht. kistorienmaler Iohannes Rlein in
lvien übernahm „zur verherrlichnng Gottes und seiner lseiligen", wie er selbst sich ausdrückt, den Lntwurf eines Glasgemäldes
welches den Martsrtod nnd die Glorie des hl. Mauritius verherrlichen sollte, nm Gotteslohn. Nebenanstehender wohlgelungener
Nchtdrnck gibt getren den Aarton dafür wieder* *). blnter reichen Baldachinen stehen drei markige ritterliche Gestalten,
5t. Manritins inmitten seiner zwei Ivaffengenossen 5t. Eruperins und 5t. Tandidus, sie tragen 5tandarten mit dem Zeichen
des Areuzes nnd die 5iegespalmen des Utart^rinnis. In dcn drei nntern Feldern ist dargestellt: l) bie Thcbaische Legion
bringt das Thristenthum an den Bodensee; 2) das Marttzrium des hl. Mauritins nm 286 nnd ö) 5t Aonrad cxponirt die
Reliquien des 5t. Manritius. Jn den gothischen Aleeblättern halten Lngel links das Allianzwappen der 5tifterin Frau Amt-
mannswittwe von Aolb, geborene Freiin v tsornstein-Binningen, nnd rechts die Mappenschilde dcr Trz-Diözese Freibnrg nnd
des Großherzogthnins Baden. )m obern Zwickel ist die Land Gottes („cligitus mit dem Arenznimbus angebracht,

wie diese so oft von Anfang an auf christlichen Denkmälern vorkommt**) geniäß den Worten der 5chrift: „Die Melt ist seiner
bfände Merk" Isaj 66, 2, „bserr, Deine bfand ist erhöht" ebend. 2», u, „des bierrn ksand ist nicht zu knrz, daß er nicht helfen
könnte", ebend. 5y, f.

Die Ansführnng dieses Entwurfs koinint demselben an 5chönheit nicht gleich. Der Glasmaler hat die Mirkung
der Fignren dnrch Aiisführmig des tldriiaments in viel Gelb und tiochroth zu sehr beeinträchtigt, dagegen fehlcn die mehr
stumpfeu neutralen Töne, wodnrch dic alte Glasinalerei das wunderbare Farbenspiel ihrer 5chöpfnngen hervorhob. Die ander-
weitige technische Ansführnng ist ninster-giltig. Der deeorative Theil der Aapelle an lDänden und im Gewölbe ist nach
den Lntwürfen des Lrzb. Baumeifters Bär dnrch kierrn Decorationsmaler Lmel e von Tonstanz ausgeführt. Es ist diese
Leistung, sowic anch jene in der 5t. Thristoxhornskapelle ein Zengniß, wic geschickt Lferr Bär die Farben zu stinnnen weiß
nnd wie cr Meistcr ist im Grnament. Die Banptzierdc der Aapelle bildet cin alter Flügelaltar vom Iahr f625 darstellend
im Aiittclfeld dic Arenzignng Thristi, anf dcr Prcdella dic Grablegnng Thristi, anf der Iiincnseite der^lügcl die zwei patrone
5t. Lonrad nnd 5t. jdelagins, auf der Außcnseite 5zcnen ans dcr hl. .samilie. Die Gcmälde gehören der oberschwäbischen
5chule an nnd sind als Mcisterwerke ersten Ranges gcscbätzt. Der Maler ist bis jctzt nicht bekannt. Rcstanratenr Tesar in
Angsbnrg hat diese Malereien mit vollständigster geivissenhastcster 5chonuiig allcs vorhandencn in ihrer Ingendfrische wieder
hergestellt; nnd mit Tntziicken sieht man immer wieder neuo coloristische 5chönheiten dieser Altarbilder. Die Bodenbeplattung
wurde aus der Mettlacher Fabrik bezogen. Ts ermangelt jetzt nur noch die gothische Umrahmnng des Flügelaltars nnd ein
Betftnhl, welcher die Rückwand ziercn und dem stillcn Beter und Beschaner ein Ruheplätzchen bieten soll. 5ie sind dem
schätzenswerthen Atelier des Bildhaucrs Eberle in Ueberlingen zur Ausführnng übertragen. Die Aapelle ist dnrch ein altes
Gitterwcrk in Renaissance abgcschlossen, das cine günftige iicue Fassung erhalten hat.

Dieser Aaxelle gerade gegenüber erscheint in mysteriöser Belcnchtung die 5t. T h r i st o p h o r u s k a p e l l e,
Rachdem maii bei tvegnahme des alten Altares das Lvandgemälde des hl Thristoph entdeckt hatto, faßte man den Gedanken
auf, diese Aaxelle zu eincm Denkmal fllr die Thristianisirung dnrch die „5chottenmönche" (Benedictiner) nmzuschaffen. Der
„große Thristoxh", der so viele Bauwcrke des Mittelalters ziert, war ja das 5innbild des durch Lhristus überwnndenen bfeiden-
thums und sollte zngleich anch die Erinnerung wach erhalten, daß das Lhristenthum nber das Masser zu uns gelangt sei.
Dieses geschah für nnsere Gegend dnrch die hl T o l u m b a n, G a ll n s nnd pirmin. Und mit diefcn Namen war man
zugleich auf die zwei weltberühmtcn Tultnrstätteii nnserer alten Diözese Tonstanz hingewiesen 5t. Gallen und

Reichenau. Im Glasgemälde verwob man »nn jdersonen nnd Vertlichkciten zn einem einheitlichen Ganzen.

Anf neun Feldern kommen zur Darstellnng:

5t. Lolumban nnd Gallus landen bei Bregenz ums Iahr sgq., finden am Ufer das Airchlein der
hl Anrelia, das durch Göhendienst wac entweiht worden, nnd wcihcii es wicder ein,

2. 5t. Gallns predigt der einheimischen 5prache niächtig den Einwohnern das Evangelium,

2. 5t. Gallns heilt dic Tochter des Alanianneiiherzogs Gunzo Fridegnnde in Ueberlingen von cincm Dämon,
-x. Uerzog Gunzo trägt dem bl. Gallus das verwaiste Bisthum Tonstanz an; der kcilige weist es znrück
und emxfiehlt seinen Diakon Iohannes als „Eingebornen" zu diesem Amte (6;x),

5. 5t. Gallus geht in die Einsamkeit und sucht einen passenden Grt zn einer Alostergründung. Am
Flüßchen 5teinach (jdetrosa) errichtet er nnn aus einer bfaselstande ein Arenz, hängt daran eine
Reliquienkapse! anf nnd heiligt diesen Mrt, auf dem sich später die weltberühmte Abtei 5t. Gallen
erheben solltc.

*) jdrofessor Alein hat damit begonnen, seine vielen Aunstschöpsungen dem größeren Pnbliknm zugänglich zu
machen, durch sein allen Aunstliebhabern sehr zu emxfehlendes Merk: „Airchliche Aunst, Tartons für Glas-, Mosaik-
und Tafelmalerei von Ioh. Alein, k. k. Professor nnd lfistorienmaler. Einleitung nnd erläuternder Text von Dr. Larl Lind.
I. Folge. A?ien. Art. Anstalt v. M. Iaffe. ;880.

*2) pgl den 5ch!ußstein der zweitletzten südlicheii Aapeile des Müiisters.
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