Münsterbau-Verein <Konstanz>   [Hrsg.]
Das Alte Konstanz: Stadt u. Diöcese in Schrift u. Stift dargest. — 1.1881

Seite: 50
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Ls muß nuu entweder an Geld gefehlt baben, oder inan fand die vorliegende durch-
greifende Aendernng nicht allweg fnr gut, knrznm es danerte bis zum Iabr t67Z bis
endlich die L)and an's werk gelegt wnrde nnter dem Bischof Lranz Iobannes j)raßberg.

Oergegenwärtigen wir uns nochmal (vgl. nebenstebenden (tzuerdnrchschnitt des
Alünsters) den Zustand des Gebäudes. Die ehemalige dreischiffige Basilika des Bischofs
Romuald war nach Onrchbrechnng der Umfassnngsmauern beiderseits durch Tlnbängung
von (6 Rapellen erweitert nnd die ^eitenschiffe, das Areuzschiff, die Biernng und der
Lbor gotbisch gewölbt worden. Bnr in der Decke des AAttelschiffs schante noch ernst
und für diese Aeit nicht mebr verständlich das alte Oeckengemälde herab. Die wände
bis binauf znm Ansatz der bsolzdecke waren längst übertüncht worden. Statt einen ^chritt
rückwärts zn machen und die wände und Sänlen, die Archivolten nnd ))feiler dnrch
ornamentale Akalerei mit der Decke in Ginklang zn bringen, snchte man die Decks dnrch
eine Ueberwölbnng des Alittelschiffs zn bessitigsn nnd in tbnnliche Uebereinstimmung mit
den frichern gotbischen Znthaten des Banes zn bringen. wer will es dieser Zeit übel-
nehmen, die einmal kein verständniß mehr besaß für die Tradition ihrer vorfahren?
Aber doch darf unser Iahrhnndert die Hrage aufwerfen, ob man diese Lorrectnr des
Bauwerks im (7. Iahrhnndert anch jetzt noch anzuerkennen habe, und unter allen Um-
ständen erhalten müsse.

Den endgiltigen j)lan zur Gewölbung verfertigte ein Iesnitenpater nnd für
einige vorgelegte Risse erhielt er als Belohnnng (0 fl. 48 kr. Die Ansführnng wnrde
den Akanrermeistern Daniel und Lsans Taspar Blattbnrger, vater und !r>ohn, beide wohn-
haft bei !5>t. Gallen übertragen.

Das Gswölbe ist schllos; wo in gothischen Gewölben die ^chlußsteine sitzen,
sind hier das Akaltheserkreuz nnd eine Art vierpaß angebracht. Die Gnrten sind aus
G^'ps hergestellt, deßhalb konnte am 24. Akai (680 dem Rapitel dnrch bserrn Doctor
Blawen referirt werden, „wie das Lserr k. j)rior von Akarkthal solches (Gewölb) besich-
tigt und der Akainung sei, die Aierraden werden nit lange halten, sondern etwann
ohnversehens hernnterfallen. Lr, ^err j)rior, habe diese sein Alainnng dem Allaurer-
meister entdeckt, welcher demselben darüber geantwortet, Lr wolle versichern, daß gedachte
Zierraden 30, 40 nnd mehr Iahr halten werden". weil das Gewölb keine widerlager
hatte, wnrden wenigstens 4 j)feiler unter Dach anfgeführt, wnrden die Ziegelsteine ans
Letten mit eingemischten Lpreiern hergestellt nnd endlich hieng man das Gewölb mit
starken eisernen Schlandern an das alte überliegende Dachgebülk anf.

Die wölbnng sammt den Zierraden haben sannnt der großen Iahrzahl 1680
über der Grgel bis anf den hentigen Tag !5>tand gehalten.

Die Alanrermeister Daniel nnd Lsans Taspar Blatburger mußten auch die kleinen
romanischen Gberlichter des Alittelschiffs weiter ansbrechen nnd nen ansmauern. öie
haben mindestens ihre Lchnldigkeit gethan, so gnt es Alanrermeister konnten. Alan kann es
ihnen anch nicht verübeln, als sie anf Befehl in allen Seitenkapellen die gothischen Lenster-
gestöll (Allaßwerk) hinausschlngen. !5>ie thaten ja nur was die Bauherren ihnen geboten.

Interessant dürfte folgender ausführlicher 2lnszug sein ans der Baurechnung
des ^abrikpflegers Iohann wilhelm Döpßel, was „er ahn geltt eingenommen nndt
widernmb anßgeben" vom Iahr biß (683.

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