Münsterbau-Verein <Konstanz>   [Hrsg.]
Das Alte Konstanz: Stadt u. Diöcese in Schrift u. Stift dargest. — 1.1881

Seite: 61
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Gutachten von vr. Lssenwein,

Direktor des gennanischen Ntusenms zn Nnrnberg
iiber

die Restanration nnd Ans>stattnng des Innern des Allnnsters zu Lonstanz.

(Fortsetzung.)

4. Außer der Entferuung der Gewölbedecke wird vor cillem im Mittelschiffe, wie in der gesammten
Kirche, die Tünche zn entfcrnen scin, nntcr wclcher vorauSsichtlich noch eine Reihe von Ueberrcsten der alten
Polychromie im Anschlnsse an dic über dem Gewölbc besindlichen Theile znm Vorschein kommen wird.
DaS Gleiche gilt von den Seitenschiffen, wo sich ja schon manches gesunden hat. Bevor nicht die Tünche
entsernt, bevor nicht festgestellt ist, was unter derselben noch erhalten, in welchem Zustande sich die
erhaltenen Reste befinden, ist jedc Projektirung eincr Malerei, ist sclbst nur die Aufstellnng eineS Grund-
gcdankens für den Bildercyklus, welcher etwa zn malen wäre, überflüssig. Jedenfalls muß das Vor-
handene alS Anhaltspnnkte dienen, wenn es nicht ctwa geradezu erhalten bleiben kann, wie eS zu Tagc
tritt. Natürlich dürfen wir kaum hoffen, alles gcwisscrmaßen unversehrt zn findcn. Es wird sich vielleicht
die Nothwendigkeit herausstcllen, manches auf Grnnd der crhaltcncn Reste ncu zn malcn, vielleicht wird ein-
zelneS hinzu komponirt werden müssen. Da wird es denn vor allem geboten sein, da ja doch voranssichtlich
im Mittelschiffe nur Reste spät romanischer Malerei zu Tage kommen werden, dort alle jene ornameutalen
nnd figürlichen Reste zn kopiren, welche über den Gewölben von Chor und Querschiff versteckt bleiben werden,
insbcsondere die Thierkreiszeichcn nnd die Monatsbcschäftignngen. Doch schcue ich mich selbst diese Andeu-
tnngcn zn machen, da ja doch nnr das bcstimmend sein kann, was zn Tage kommt. Am wünschenwcrthesten
würde cS jedenfalls sein, wenn die Möglichkeit gegebcn wäre, alles zn Tage Tretende ohne jede Nachhilfe zu
belassen, wie es znm Vorschein kommt. ES ist leider bis jetzt nie möglich gewesen, alte Wandmalereien in
ähnlicher Weise zu restanriren, wie dies bei Tafelgemälden der Fall ist. Bis jetzt ist jede ähnliche Restau-
ration anf nichts anderes hcranSgekommen, als anf cine mehr oder minder geschickte Uebermalnng mit Benützung
der alten Kontnren als Grnndlage und Anwendung solcher Farbentöne, wie man sie eben auf Grund der
schwachen Reste ursprünglich vorhanden glaubte. Selbst bei dcn sorgfältigst ansgeführten und gelungensten
solcher Nestanrationen sind Kopien an Stelle der Originale getreten, Kopien, deren Richtigkeit nicht mehr
kontrollirt wcrden kann, wcil die Originale nicht mehr vorhandcn sind. Leider koinmen nur ineistens diese
Waiidmalereien in einem solchen Zustande zu Tagc, daß der Sinn für Ordnung nnd Anstand sich mit den-
selben nicht begnügt! Die Lente, welche einen abgeschabenen und zerrissenen Rock nicht tragen, welche die
Tapetc oder Tünche ihres Ziminers ernencrn lassen, sobald sie bcschädigt ist, wollen auch in ihrem Bethanse
alles blaiik nnd rein sehcn und für sie ist denn eben doch das Bethaus vorhanden, nicht für den Knnstgelehr-
ten, sür welchen jene Malercien nnr dann Jntcrcssc haben, wcnn sie unbcrührt sind. Jndessen licßen sich ja
ost bei gntem Willcn die Wünsche beider Thcile befriedigcn. Das GotteshauS ist kein Privatwohnzimnicr,
der Raum ist so groß, daß wcnn die richtige Gesammtstimmnng vorhanden, cinzelne klcinc Mängel durchans
nicht stören. Diese Gesammtstimmnng kann aber auch auf anderem Wege erzielt werden als gerade durch
Ernenernngeii alter Wandmalereieii.

5. Sie wird vor allcm beeinflnßt werden dnrch eine entsprechende Dämpfung des Lichtes und diese
entsteht dnrch nmfassende Verwendnng der Glasmalerci, die ja wie alle alten Dome, anch dcn Münstcr zu
Konstanz ehemals in ninfassender Wcise schmückte und in nmfasseiider Weise wieder znr Verwendnng kominen
innß. Sic wird nnter allcn Umständen vicl mächtiger wirken, alö jede Wandmalerei und wenn irgcndwelche
Wandinalcreien ansgcführt werden sollen, so niüssen sich dieselben nach den Glasmalcreien richten nnd könncn
crst in Angriff geiiommeii werden, wenn dicse bereits ihren Schimmer verbreiten. Deßhalb hat jede Fest-
stellnng in Bezug anf die Wandmalereien vorläusig noch Zeit und ich beantrage diese Frage vorläufig noch
offen zu lassen.

Was die Glasmalerci betrifft, so werden sich derselben die verschiedenartigsten Aufgaben eröffneli;
da der Münster nicht cinheitlich ist, so ist anch keineswegs absolnte Einheit in dcn Glasmalercien zn erstreben.
Für daS Mittelschiff, welches ja im wesentlichen den Charakter deS romanischen Stiles tragen soll, werden
sich große Einzelfignrcn empfehlen, wie deren im Dom zn Augsbnrg noch erhalten sind. Dort können, sowcit
nicht etwa dies an dcr Täfeldccke geschieht, die speziellen Heiligen der Konstanzer Diözese in mächtigen Figuren
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